Robert Jasper an der Eigernordwand (Foto: K. Fengler  und F. Kretschmann)
Robert Jasper an der Eigernordwand (Foto: K. Fengler und F. Kretschmann)
  • Christine Staehelin
  • Aktualisiert am

Der Extrembergsteiger aus der Region: «Jeder Tag könnte der letzte sein»

Ein echter Entdecker: Robert Jasper wohnt in Schopfheim, ist ein weltberühmter Extrembergsteiger. Im Interview mit barfi.ch erzählt er, wie seine Frau an der Eigernordwand sein Leben gerettet hat, was der Tod von Ueli Steck für ihn bedeutet und wo es noch unentdeckte Berge gibt.  

barfi.ch Robert Jasper, Sie sind in der Nähe von Basel aufgewachsen. Ihre ersten Klettererlebnisse machten Sie im Basler Jura, wo Sie auch Ihre Frau, Daniela, kennengelernt haben. Was verbindet Sie mit Basel?

Robert Jasper: Die Verbindung zu Basel ist sehr eng: Der Basler Jura ist fantastisch. Ich komme ja aus dem Südschwarzwald und die Berge im Jura sind eine Stufe besser als die südbadischen zum Trainieren. Es gibt wunderschöne Kletterrouten. Aber die Stadt Basel bietet unglaublich viel, als Jugendlicher war ich abends da natürlich im Ausgang. Heute haben wir zwei Kinder, da ist das Nachtleben nicht mehr so angesagt. Aber das Dreiland ist auch für Familien ideal.

Auf Baffin Island, Kanada (Foto:  K. Fengler und F. Kretschmann) 

Sie leben mit Ihrer Familie im beschaulichen Schopfheim. Brauchen Sie den Kontrast des idyllischen Wohnortes zum aufregenden Beruf des Extrembergsteigens?

Ja, definitiv. Die Kontraste brauche ich: Die Stadt und die Einsamkeit, die Extremtouren und das Familienleben. Das Schöne an unserem Wohnort ist, dass wir gleich in der Stadt sind, aber auch in der Natur: Zum Joggen, reiten oder eben auch klettern. Mein Sohn klettert gerne, meine Tochter hat die Leidenschaft für die Pferde und Reiten entdeckt. 

«Ich bin gerne Entdecker», sagt Robert Jasper. Hier auf Baffin Island in Kanada (Foto:  K. Fengler und F. Kretschmann).

Stellen wir uns vor, dass Ihr Sohn dereinst sagen würde, dass er seinem Vater in die Fusstapfen folgt und ebenfalls Extrembergsteiger werden möchte. Was wäre Ihre Reaktion?

Meiner Meinung nach hat jeder Mensch seine eigenen Talente. Ich fände es besser, wenn mein Sohn nicht den gleichen Berufswunsch hat wie ich. Er sollte seine eigenen Fähigkeiten entwickeln und etwas Eigenes machen. Und das macht er schon jetzt (lacht). Was mich jedoch freut, ist, dass er das Klettern als Hobby entdeckt hat.

Das Klettern liegt bei Ihnen ja in der Familie, auch Ihre Frau ist Extrembergsteigerin. Sie bestreiten zusammen Bergtouren. Geht man sich da auch mal auf die Nerven?

Es ist natürlich nicht unbedingt einfacher, wenn man sich zu gut kennt. Ein Wort wird dann vielleicht schneller auf die Goldwaage gelegt. Aber grundsätzlich ist ein Team, das einander blind vertraut, das stärkste Team. Am liebsten gehe ich mit meiner Frau auf den Berg. Seit wir Kinder haben, gehen wir nicht mehr auf wochenlange Touren.

«Die ersten Klettererfahrungen habe ich im Basler Jura gesammelt», sagt Robert Jasper. (Foto:  K. Fengler und F. Kretschmann)  

Die Gefahr wandert immer mit. Gab es eine extreme Situation, die ihre Frau und Sie erlebt haben?

Meine Frau hat mir einst das Leben gerettet: Nachdem wir die Route des «Flying Circus» (Eine der schwersten und anspruchsvollsten alpinen Mixedrouten der Welt bei Kandersteg. Anm. der Red.) geklettert sind, gingen wir ein zweites Mal auf die Route, dieses Mal mit einem Fotografen. Beim Eisklettern wollte ich, wie bei der ersten Tour, eine Eisschraube befestigen. Meine Frau sagte mir noch: «Nimm ja keine Eisschraube.» Zum Glück habe ich auf sie gehört: Einige Sekunden später löste sich der Eiszapfen und fiel in die Tiefe. Wenn ich wie geplant, eine Schraube benutzt hätte, wäre ich nicht mehr hier. Zum Glück habe ich auf Daniela gehört. So kam ich nochmals mit dem Leben davon, dank dem richtigen Gefühl meiner Frau.

Sind Sie mutig?

Viele Leute denken, dass Bergsteiger extrem mutig sein müssen. Das bin ich jedoch nicht. Zum Glück nicht. Denn Mut verdrängt die Angst. Man muss die eigene Angst bis zu einem gewissen Grad zulassen und sich fragen «Weshalb hat man Angst?». Denn dieses Gefühl macht wach, man erlebt alles intensiver, mit ein Grund, weshalb ich meinen Beruf so gerne ausführe. 

Ende April verunglückte Ueli Steck. Wie gehen Sie mit so einer Meldung um?

Es ist schwer zu wissen, was da genau passiert ist. Aber er war an hochriskanten Projekten beteiligt. Dieser Unfall zeigt uns allen: Das tägliche Training ist fast gefährlicher, als eine riskante Tour. Die Routine verführt zur Unbesonnenheit. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man seine Träume lebt. Denn jeder Tag kann der letzte sein.

«Jeder Tag kann der letzte sein», sagt Robert Jasper. Hier auf Baffin Island (Foto:  K. Fengler und F. Kretschmann).

Sie haben schon sehr viel erreicht. Welche Träume haben Sie noch?

Je mehr man unterwegs ist, desto mehr möchte man neue Bergregionen entdecken. Mich reizt weder der Mount Everest noch die sonst beliebten Achttausender. Ich bin gerne Entdecker und Abenteurer. Mir gefällt die Idee, dass es auf der Welt noch unbezwungene Berge gibt. Im Sommer reise ich nach Grönland und freue mich auf die dort noch unbestiegenen Berge.  

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