Gefaltete Händchen: Erster Schulltag im vergangenen Jahrtausend. ©Verschwundenes Basel
Gefaltete Händchen: Erster Schulltag im vergangenen Jahrtausend. ©Verschwundenes Basel
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Einen schönen ersten Schultag! Diese Bilder zeigen, wie gut wir es heute doch haben

Heute beginnt für viele Kinder das neue Leben als Schülerinnen und Schüler. Andere sind schon älter, wechseln die Schule und seufzen, weil die langen Ferien vorbei sind. Aber wie gut wir es doch heute haben – denn wer wünscht sich schon das Händefalten oder noch schlimmer: die körperliche Züchtigung zurück.

Die Vorbereitung: Das Gepäck

Der alte Ranzen ist immer seltener zu sehen. ©Keystone

Wie hübsch anzusehen sie doch waren und wie schön sie sich anfühlten: Die alten Kalbfell-Ranzen. Heute stehen überall die buntesten Plastikschulrucksäcke herum, einer frecher als der andere, mit aufregenden Mustern und welches Modell oder gar welche Marke die coolste ist, vermögen Eltern kaum mehr zu unterscheiden. Doch trotz aller modischen Erscheinungen: Ab und zu sieht man auch heute noch einen Ranzen aus Leder und Fell, gewiss geerbt von einem Vorfahren, vielleicht sogar vom Grosi. Denn eigentlich, und das wissen wir natürlich, sind das bestimmt die coolsten Kinder der Schule.

Der Unterricht: Ach, was waren wir alle brav und adrett

Angesichts der Klagen über die heutige Jugend gibt es gewiss einige Leute, die sich dieses Bild zurückwünschen. Brave Kinder, die Hände schön gefaltet und hinten stehend der alte Lehrer mit strengem Schnauzbart. Leider sind aber die Klagen über die Jugend von heute seit Jahrtausenden dieselben und just die Leute, die sich ein solches Bild zurückwünschen, wären damals wohl häufiger mit Züchtigung in Kontakt gekommen als ihnen lieb gewesen wäre. Nostalgisch sind sie ja, die alten Schulzimmer mit ihren hölzernen Pulten und Tintenfässchen, aber zum Glück sind wir heute deutlich weiter, was die der Kindesentwicklung förderlichen Einrichtungen angeht.

Die Disziplin: Gewalt war sogar angesehen

Darstellung roher Gewalt. ©Verschwundenes Basel

Kaum einer der älteren Generation, der nicht mindestens mit dem Lineal eins auf die Pfoten bekommen hat. Diese rohe Gewalt der Lehrpersonen war nicht nur erlaubt, sondern geradezu angesehen und respektiert. Wer zu Hause reklamierte, musste damit rechnen, gleich ein zweites Mal gezüchtigt zu werden – denn wenn der Lehrer schon zuschlug, so tat er dies doch sicher aus gutem Grunde. Glaubte man. Diese Barbarei ist glücklicherweise abgeschafft. Für körperliche Zwangsmassnahmen wird nun der Lehrer nicht nur bestraft, sondern er hat dann auch ein Verfahren am Hals. Denn, und das zeigen nicht nur Lehre und Forschung, ist unbestritten, dass Gewalt keinerlei positive Einflüsse auf die Entwicklung Heranwachsender hat. Generationen von Linkshändern können ein Lied davon singen, wie ihnen gewaltsam aufgezwungen wurde, mit der «schönen» Rechten zu schreiben.

Das Zmittag: Döner oder Familientisch?

Mittagstisch, aber mit Familie. ©Verschwundenes Basel

Was allerdings zu beklagen ist, ist der zunehmende Verlust familiärer Tradition, wie das gemeinsame Essen. Oft reicht es nicht, im Kreis der Familie zu speisen und zusammen zu sein, Mittagstische sind an der Tagesordnung, das ist aber immer noch besser als eine Ernährung mit Schnellverpflegung oder leidlich aufgewärmten Speisen. Oder noch schlimmer: Döner, McDonald's und ähnliche Speisen, die zum frühen körperlichen Zerfall beitragen, weil sie schlicht ungesund sind. Für Erwachsene und Kinder gleichermassen. Dennoch ist den Kindern zu wünschen, dass sie trotz berufstätiger Eltern ausreichend Nestwärme erhalten. Es muss ja nicht jeden Mittag sein, aber regelmässig und liebevoll statt gestresst und überfordert. 

Die Freizeit: Ein Bildschirm für die ganze Familie

Ob hier wohl gerade die Tagesschau läuft? ©Verschwundenes Basel

Kein Smartphone weit und breit. Kein Internet. Ein Fernseher mit einem oder zwei Programmen und das für die ganze Familie oder gleich für einen ganzen Strassenzug: Das war vor 50 Jahren noch ganz normal. Seither haben sich die Zeiten geändert. Die Kleinen hängen nicht nur schon am Smartphone, sie posten auch schon tüchtig auf Instagram und anderen Portalen, das ersetzt ihnen den Spielplatz. Die Geräte sind in den Schulen so präsent, dass teilweise rigorose Richtlinien bestehen, damit die Kinder sich auf den Unterricht konzentrieren. Die Digitalisierung gehört aber dazu: Mit den Medien, die uns tagtäglich umgeben, gehören auch der Computer, das Smartphone und das Tablet in die Schule. Denn die Kinder lernen fürs Leben – und da gehört Medienkompetenz dazu, so sehr man als älteres Semester über soziale Medien schimpfen mag.

Lausbuben am alten Basler Fischmarkt. ©Verschwundenes Basel

Ja, was uns im Internet ganz lästig – weil fremd und neumodisch – erscheint, ist für die Kleinen ganz normal und real. Sie wachsen jetzt damit auf, wie wir es mit Taschenrechner vielleicht dem allerersten Nokia-Handy damals taten. So muss auch die Schule mit der Zeit gehen. Zum Glück! Sonst wären ja Händefalten und Disziplin durch körperliche Züchtigung immer noch an der Tagesordnung. Der Mensch lernt, nicht nur in der Schule, sondern auch aus seinen Fehlern. Es ist also nur gut, dass unsere Kinder heute an ihrem ersten Schultag in eine Schule können, die weit moderner ist als es die unsere noch war.

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