Die Sauna Girls des FKK-Clubs im Kleinbasel an der Sonne, die Betreiber haben mit dem Fitnesstrick jahrelang die Behörden genarrt. Bild: FKK-Club.
Die Sauna Girls des FKK-Clubs im Kleinbasel an der Sonne, die Betreiber haben mit dem Fitnesstrick jahrelang die Behörden genarrt. Bild: FKK-Club.
  • Andy Strässle
  • Aktualisiert am

Empörung im Kleinbasel: Der FKK-Club narrt die Basler Behörden seit über neun Jahren

Eigentlich hätte das Bordell an der Amerbachstrasse seit letzten September schliessen müssen. Mit rechtlichen Winkelzügen verhinderten die Betreiber die Schliessung des FKK-Clubs. Nach neun Jahren Augenwischerei haben die Anwohner die Nase voll und haben wieder Unterschriften gesammelt.

Im Hinterhof in der Kleinbasler Amerbachstrasse ist heute Mittwoch FKK-Tag. Das heisst Party mit Leuten wie «Aische Pervers» oder «Nomi Melone». Vor neun Jahren bewilligte Basel-Stadt in diesem Hinterhof den Betrieb eines Fitnessclubs. Hinter der Fitness versteckt sich aber ein Bordell. Die Besitzerin KMS Verwaltung GmbH erbringt laut Handelsregister Gastro-Dienstleistungen und Consulting. Das Bordell mitten im Wohnquartier stresst die Behörden schon seit Jahren. Jetzt steht dem Club aber das Wasser bis zum Hals. Der Basler Anwalt Andreas Noll versuchte im letzten Herbst mit einer eiligen Anwohnerbefragung klarzustellen, dass der Sex-Club niemanden störe. Noll schreibt auf seiner Homepage: «Der Blick für das Wesentliche erlaubt es, auch in komplexen Konstellationen einfache Lösungen zu finden. Das bietet auch Gewähr für die besten Argumente vor Gericht.»

Nutzung als Bordell abgelehnt

Und komplex ist die Geschichte seit langem: Im Juni 2017 hatte das Bau- und Gewerbeinspektorat ein «nachträgliches Baubegehren» zur Umnutzung in ein Bordell endgültig abgelehnt. Dies nachdem die Anwohner im Matthäus-Quartier 2008 Einsprache gegen das Puff erhoben haben. Während im «grössten Laufhaus» Basels fleissig weitergefeiert wurden, gelang es den Betreibern mit Rekursen die Schliessung zu verhindern. Das Gewerbeinspektorat stritt sich mit der damaligen Betreiberin der MS Marketing Solutions jahrelang vor Gericht.

Verzögerungstaktik und Augenwischerei

Laut amtlicher Verfügung hätte der FKK Club schon im letzten September dichtmachen müssen. Mit einer erneuten Einsprache bei der Baurekurskommission verzögerten die Betreiber die Schliessung erneut. Auf Anfrage von Barfi.ch sagt der Sprecher der Anwohner Markus Knöpfli, dass man nochmals Unterschriften gesammelt habe, da Anwalt Noll nach einer «komplizierten Befragung» argumentiert habe, der FKK-Club «störe niemanden». Die Einsprache sei «veraltet». Es hätten ja nur fünf Anwohner reagiert. Mit genau 201 Unterschriften wollen die Anwohner nun bekräftigen, dass sie der Club sehr wohl stört.

Suchverkehr und Erbrochenes

Da der Club versteckt im Hinterhof liege, würden zu allen Tag und Nachtzeiten in den benachbarten Liegenschaften geläutet. Dazu gebe es immer wieder Streitereien oder Diskussionen. Knöpfli erzählt von einem betrunkenen jungen Mann, der an einem Samstagmorgen aus Stuttgart anreiste und dann merkte, dass der Club noch nicht offen sei, so blieb er draussen und quatschte alle Leute an. Zum Alltag in der Quartierstrasse gehören auch Suchverkehr und Erbrochenes.

Dass sich die Anwohner abermals wehren müssen, ist eigentlich ein Skandal. Denn der Sex-Club hat keine Bewilligung. Die Baurekurskommission wird am 28.März eine «Augenscheinverhandlung» an der Amerbachstrasse durchführen. Hoffentlich macht die Baurekurskommission dann der Augenwischerei um einen Fitnessclub, der nie einer war ein Ende. Auch wenn man lustige Namen, wie Nomi Melone oder Dora Angel dann vermissen mag.

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