Immer dabei die Fake-Sanitäter von «Retter ohne Grenzen». Bild: Facebook ROG
Immer dabei die Fake-Sanitäter von «Retter ohne Grenzen». Bild: Facebook ROG
  • Andy Strässle
  • Aktualisiert am

Falsche Sanitäter in Basel unterwegs

An der Uniform und der Ausrüstung erkennt man sie auf den ersten Blick nicht als «Fake». Die Notfallnummer «144» auf dem Rücken ist ja auch echt. Dumm nur, dass die Sanitäter keine echten Sanitäter sind. 

Was grosse Demos angeht, ist es in Basel eher ruhig. Dennoch waren die falschen Sanitäter von «Retter ohne Grenzen» am Rheinknie unterwegs. Im Mai kündigten sie einen Einsatz bei einer Pegida Demo an. Diese wurde aber schliesslich von der Polizei nicht bewilligt. An der Kurdendemo klappte es dann schliesslich. Die Fake-Sanitäter bewegten sich am Rande des Umzugs und wirkten dabei durchaus echt. Die Motivation bei der Gründung 2015 war, Flüchtlingsströmen oder schlimmen Unwettern begegnen zu können und den regulären Hilfskräften unter die Arme zu greifen. Das Problem dabei bleibt, falsche Sanitäter treffen falsche Entscheidungen.

Zwar blieb es an diesem Tag beim Zug durch das Kleinbasel ruhig, so dass, weder echte noch falsche Sanitäter an diesem Nachmittag etwas zu tun bekamen. Dennoch sind die Basler Blaulichtorganisationen skeptisch, wie Sprecher Martin Schütz erklärt: «Namentlich mit Blick auf die Patientinnen und Patienten erachten es die Organisationen der professionellen Sanitätsbetriebe als schwierig, wenn «Laienretter» in Profi-Uniformen auftreten und so falsche Erwartungen an ihre Kompetenzen wecken.» Die Idee der selbsternannten «Retter» klingt nicht schlecht: « Grenzen entstehen im Kopf...und ein Helfer sollte keine Grenzen kennen... er sollte ein Helfer ohne Grenzen...ein Retter ohne Grenzen sein.» Dennoch sind die «falschen» Retter eher gesundheitsgefährdend.

Keine Ausbildung, keine Ahnung

Echte Rettungssanitäter müssen eine mehrjährige Ausbildung durchlaufen, bei der sie das Rettungshandwerk neben erfahrenen Sanitätern lernen. So können sie später innerhalb von Sekunden Entscheidungen treffen, die Leben retten. Bei den selbsternannten «Rettern ohne Grenzen» handelt es sich um Laien. Es ist ja auch schwer zu beantworten, warum ein Sanitäter nach harter Schichtarbeit, noch eine Sonderschicht bei idealistischen Hobbysanitätern einlegen sollte.

Der Solothurner Gründer Manuel Stocker anerkennt die Gefährlichkeit des Tuns «seiner Retter» aber nicht an. Er sagt, dass man nur erste Hilfe leiste und den Patienten überwache, bis die echte Sanität vor Ort sei. Auch bei den Basler Blaulichtorganisationen hat man ein waches Auge auf die «Retter»: «Wir haben Kenntnis von diesen «Rettern ohne Grenzen» und auch davon, dass sie schon in Basel gesehen worden sind. Uns sind indes keine Zwischenfälle mit ihnen bekannt.» Tatsächlich zeigt ein Blick auf die bisherigen Einsätze, dass an einer Demo in Zürich einmal eine Fussverletzung versorgt worden sei, so dass der Patient dann weiter in den Notfall humpeln konnte. Heikel ist die Geschichte trotzdem. Es kann nicht sein, dass falsche Rettungskräfte den echten in den Weg geraten, oder dass man sie verwechselt.

«Erste Hilfe» kann man nicht verbieten

Verbieten kann man die «falschen Sanitäter» allerdings nicht, so sagt Martin Schütz: «Wie alle anderen Personen auch können die «Retter ohne Grenzen» ihrem jeweiligen Ausbildungs- und Kenntnisstand entsprechend Erste Hilfe leisten.» Unterdessen hat Stocker eine klare Idee: «Lasst uns auch so ein Zeichen setzen für die Hilfe...für den Wert des Lebens und seiner Vielfalt.» Was er allerdings mit seinen Fake-Rettern erreichen will, ist fraglich, denn bei der Inspiration «Médecins sans frontières», den Ärzten ohne Grenzen, bei denen arbeiten richtige Ärzte, bei den «Rettern ohne Grenzen» nicht.