• Christian Platz
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Quentin Tarantino: «Revolverkuchi»-Stimmung pur

Nach «Django Unchained» lässt Quentin Tarantino gleich noch einen Western folgen: «The Hateful Eight» läuft diese Woche in Basel an. Wir präsentieren fünf wilde Western aus den Revolverküchen der 1960-er und 1970-er Jahre, die Meister Tarantino beeinflusst haben.

«Union», «Forum», «Odeon», drei Basler Kinos, die es leider nicht mehr gibt. Sie alle haben genau das dargestellt, was man in Basel als «Revolverkuchi» bezeichnete. Sie zeigten harte Actionfilme und Western, alte und neue. Dies funktionierte bis in die 1980-er Jahre hinein. Bevor die Videokassetten dem Publikum die Filme in die guten Stuben brachten. Quentin Tarantino hat als junger Mann in einer Videothek gearbeitet. Dort hat er das wilde Kino von damals für sich entdeckt: Italo-Western und abgefahrene US-Western aus den Sixties und Seventies, die alles andere als brave Pferde-Opern waren: Filme mit Zähnen und Klauen. Wir stellen fünf dieser Streifen vor. Sie alle haben zwei Elemente gemeinsam, die auch Tarantino liebt: exzessive Gewaltszenen und existenzialistische Exkurse über das Leben.

„Il grande silenzio“ (1968)

Sergio Corbuccis knallhartes Western-Drama spielt in einer verschneiten Winterwelt. Und auf dem Schnee kann man das Blut bekanntlich besonders gut sehen. Jean-Louis Trintignant spielt den stummen Helden Silencio, Klaus Kinski gibt - und dies natürlich brillant - den skrupellosen Kopfgeldjäger Loco. Ein verzweifelter Film mit grandioser Atmosphäre, der gnadenlos die Frage nach dem Wert des Lebens stellt. Auf Deutsch heisst der Streifen: «Leichen pflastern seinen Weg».

„The Wild Bunch“ (1969)

Sam Peckinpahs grosses Skandal-Opus spielt vor dem Hintergrund des mexikanische Bürgerkriegs. Eine Bande verzweifelter, nicht mehr ganz junger Gauner sucht ihr Glück in den Wirren der Revolution. William Holden, Ernest Borgnine und Warren Oates gehören zu den Stars dieses wilden Films, der damals heftig zensiert wurde, weil er nur so strotzt vor blutigem Realismus. Gleichzeitig hat dieser Film jedoch noch zwei andere grosse Themen: Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Am Ende des Films steht eine epische Schiesserei. Ohne Überlebende. Auf Deutsch heisst der Streifen: «Sie kannten kein Gesetz». 

„A Fistful of Dynamite“ (1971)

Auch Sergio Leone begab sich in die mexikanische Revolution. Mit diesem Film, der immerzu zwischen Kammerspiel-Szenen und Panoramas extremer Gewalt pendelt. Die Musik dazu wurde natürlich vom unvergleichlichen Ennio Morricone komponiert, der nun auch den Soundtrack zu Tarantinos zweitem Western gemacht hat. Dieser Film gehört wohl zu den blutigsten Western aller Zeiten. Er ist jedoch auch grossartiges Schauspieler-Kino: Rod Steiger spielt den mexikanischen Banditen mit Gusteau, James Coburn verkörpert einen geflohenen revolutionären Kämpfer aus Irland, der in Mexiko sein Glück sucht - ausgerüstet mit richtig viel Sprengstoff. Ein Film wie eine Explosion. Auf Deutsch heisst der Streifen: «Todesmelodie».

„Blindman“ (1971)

Ein besonders surrealer Western des Italieners Ferdinand Baldi, in dem Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr als Bandit wirkt. Der Film war sehr stark an die japanischen Streifen um den blinden Masseur und Samurai Zatōichi angelehnt. Und diese Komponente trägt dann auch stark zur allgemeinen Absurdität dieses Werks bei. Es dreht sich eben um einen blinden Revolverhelden, gespielt von Tony Anthony. Seine Aufgabe ist es, fünfzig Frauen aus den Klauen des fiesen Banditen Candy (Ringo) zu befreien. Dieser Film ist eine wahre Achterbahnfahrt des Wahnsinns. Auf Deutsch heisst der Streifen: «Der Vollstrecker”.

„Keoma“ (1976)

In diesem Film spielt Franco Nero die Hauptrolle, den man bestens aus «Django» kennt. Ohne es zu wissen, hat Enzo G. Castellari hier den letzten grossen Beitrag zum Genre der Italo-Western gedreht, kurz bevor es in den Nebeln der Kinogeschichte verschwunden ist. Der wortkarge Held des Films, Keoma, ist ein Halbblut mit einem rauhen Sinn für Gerechtigkeit. Seine - namenlose - Heimatstadt wird von der Bande eines miesen Bürgerkriegsgenerals terrorisiert, der nach der Niederlage der Südstaaten zu einem Banditen mutiert ist. Mit wechselnden Verbündeten gelingt es Keoma, das Städtchen zu retten. Klar, dass dies nicht ohne viel Blut und Pulverdampf abgeht. Ein spektakuläres Werk!  Auf Deutsch heisst der Streifen: «Das Lied des Todes»