Bild: ZvG Swiss Prime Site
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  • Jonas Egli
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Stücki Park: Das Shopping Center ist tot, es lebe das Lifestyle-Ghetto

Das Einkaufscenter ist am Ende. Eigentümerin «Swiss Prime Site» stellte heute ihre Offensive für die Zukunft des Stücki-Areals vor. Mit einem markanten Ausbau des Business Parks soll das Areal zur Stadt-in-der-Stadt transformiert werden. Mit dem Shopping Center als Kantine des neuen Business Parks.

Die Eigentümerin «Swiss Prime Site» (SPS) gibt sich zuversichtlich: Mit dem Bau von vier Baukörpern entlang des bestehenden Business Parks wird die vermietbare Fläche von heute 76’000 Quadratmeter auf über 100’000 Quadratmeter bis im Jahr 2026 erweitert. Die Bauteile heissen «Fingerdocks». Derweil schrumpft die Retail-Fläche im Shopping Center auf rund einen Drittel des Volumens von heute ein. Insgesamt wird SPS bis 2024 rund 250 Millionen Franken investieren.

Die Stossrichtung ist klar: «Es ist dann kein Shopping Center mehr, das möchte ich hier betonen,» sagte Anastasius Tschopp, Head Portfolio Manager von SPS, gleich zu Beginn. Vor allem der Textilbereich wird verschwinden. Stattdessen setzt die Eigentümerfirma auf das Modell eines Basler «Silicon-Valley»: Technologiefirmen und Start-Ups sollen die neuen Gebäude füllen und erhalten im Gegenzug eine vollständige Lebensumgebung. 1’700 neue Arbeitsplätze und über 40 Start-Ups erhofft man sich in naher Zukunft. Die Anglizismen fliegen bei der Präsentation nur so durch den Raum.

Rechts: Anastasius Tschopp, links sitzt Peter Lehmann. Bild: barfi

CEO Peter Lehmann setzt auf die «Generation Y», auf «Innovationstechnologie», «Work-Life-Balance», «Cluster» und allem, was dazugehört. Die zahlreichen bestehenden Marken und Konzepte sollen unter dem Namen «Stücki Park» ein gemeinsames Dach finden. Mit einem Design, das an Op-Art erinnert: «Zu Beginn war das Shopping Center das grosse Zentrum und der Rest waren Abfallflächen, die man einfach hatte. Jetzt ist es umgekehrt. Hier sehen wir die Chance», so das Credo der Eigentümerin. 2024 soll die Zusammenführung und Transformation abgeschlossen sein, die im Februar 2018 beginnt. Der Aushub für die «Fingerdocks» ist bereits im Gang.

Stücki Park: Die Ausgangslage hat sich verändert

Der Umbau hat sich aufgedrängt: Vor acht Jahren, als SPS in das Areal eingestiegen war, «hat der Euro 1.55 Franken gekostet und die neuen Technologien steckten noch in den Kinderschuhen», wie CEO Lehmann erklärt. Heute ist das anders. Mit Lonza ist die erste Chemiefirma bereits im Begriff, einzuziehen.

Die Neubauten sollen laufend an den Mann oder die Frau gebracht werden: «Ein Viertel ist bereits vermietet. Es ist nicht mehr wie früher, wo man erst zu bauen begann, als 50 bis 60 Prozent der Flächen vermietet waren», wie Lehman ausführt. Notfalls lege man zwischen den zwei Bauetappen eine Pause ein (sie nennen es «Break»). «Bis jetzt haben wir noch alle unsere Flächen irgendwie vermietet», gibt er sich zuversichtlich.

Hier lässt sich leben: Die neuen «Fingerdocks». Bild: Zvg Swiss Prime Site

Schlüsselfertige Labors und ein «Nahversorgungszentrum»

Der Plan scheint es zu sein, mit dem laufenden Ausbau den frühen Mietern an Ort und Stelle kontinierliche Wachstumsflächen bieten zu können. Sie sollen bleibende und damit immer potentere Mietpartner sein. Es ist eine Art «Venture-Capitalism» mit Immobilien. Dazu passen die schlüsselfertigen Mietkonzepte gut. Ähnlich wie das Kino sollen die Labors gleich fix und fertig als Meterware an Mieter abgegeben werden.

Das jetzige Einkaufszentrum wird gleichzeitig zum «Nahversorgungszentrum» der Businessbereiche umgebaut. Stücki Shopping wird zur Kantine der arbeitenden Generation Y, mit allem, was sie zum Leben so brauchen. Das Fitness-Angebot wird erweitert, hinzu kommen unzählige Gesundheitsangebote vom Zahnarzt bis zum Spezialisten. Beim Essensangebot fällt das Wort «Slow Food» mehr als einmal. Man erhofft sich gar Co-Working im Foodbereich.

So sieht es heute aus. Zwischen den beiden bestehenden Gebäuden werden vier neue Riegel zu stehen kommen. Bild: barfi

Das Kino zementiert die Stadt-in-der-Stadt

Natürlich geht es nicht, ohne dass Fragen zum geplanten Multiplex-Kino kommen: Wenn das Kino nicht funktioniert, was ist der Plan B? Ein Schwimmbad? «Das Kino ist schon der Plan B,» sagte Lehmann. SPS glaubt fest an den Erfolg des Riesenkinos: «Man kann auch durch Grösse alleine Markt machen» ,so drückt es Tschopp aus. Auf den Folien zum Kino wird wieder die Innovations-Schiene betont. Es sind auffällig viele Virtual-Reality-Helme zu sehen. Betreiberin wird Arena Cinemas sein, die mit «La Praille» in Genf bereits gezeigt haben, dass sie im grenznahen Bereich erfolgreich sein können.

Die Hauptmotivation für den Bau des Multiplex-Kinos ist es, die Frequenzzeiten der Mieter auf die Abendstunden auszudehnen. Arbeiten, essen, Fitness, Unterhaltung und schlafen im Hotel, alles in Gehdistanz zum Co-Working-Bürotisch. Die Vision ist klar: Vom Shopping-Tempel zum Lifestyle-Ghetto, zu einer abgeschlossenen Stadt-in-der-Stadt für die «Workaholics» der Zukunft. Wenn die Kunden schon nicht zum Stücki fahren, dann sollen sie eben am besten gleich einziehen und bleiben.