• Nathan Leuenberger / barfi
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++UPDATE++ Roamingfalle Grenzregion: Nicht nur wir Basler müssen nun enorm aufpassen

Die EU hat ihren Bürgern scheinbar ein Geschenk gemacht und die Strafgebühren fürs Handy-Roaming abgeschafft. In der Schweiz dagegen halten die Anbieter an ihrer modernen Art der Strassenräuberei fest und gerade die Grenzregion bleibt für Leidgenossen mit einheimischem Vertrag eine gefährlich teure Roamingfalle.

++UPDATE++

UPC schafft Roaming ab? Nicht wirklich.

Entgegen derzeit verbreiteter, falscher Meldungen: UPC schafft Roaming-Gebühren nicht ab! Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, im heute Morgen präsentierten Angebot handelt sich lediglich um ein neues Abo, welches gegen einen Aufpreis verschiedene Roaming-Leistungen beinhaltet. Die Gebühren sind somit nicht vom Tisch. Genaueres erfahren Sie hier.

Originalgeschichte:

Unsere Nachbarn aus Deutschland und Frankreich kennen seit letzter Woche kein Roaming mehr. Für die Abschaffung der unerklärbaren zusätzlichen Handy-Strafgebühren musste Brüssel jahrelangen, staken Druck auf die EU-Provider ausüben und war also keineswegs das nun überall so dargestellte Geschenk der Anbieter an die Bürger der Union. Deshalb gilt für sie die überfällige Anpassung nach unten auch nur so lange sie sich innerhalb von EU-Ländern aufhalten. Da gehört unser Land nun einmal nicht dazu. In unserer Grenzregion müssen Pendler und Reisende aber weiterhin – genau wie wir – sehr genau aufpassen mit welchem Netzbetreiber sie verbunden sind.

Alltag: Basler unfreiwillig zuhause auf teuren fremden Netzen

Wie oft kommt es vor, dass man als Basler plötzlich unbemerkt im deutschen, aber auch französischen Netz verbunden ist? Gespräche zwischen Steinentor- und Gundeldingestrasse werden so ungewollt zu preislich völlig überrissenen Ferngesprächen. Dasselbe passiert auch den Nachbarn aus dem grossen Kanton – einfach umgekehrt. In weiten Teilen des Landkreises Lörrach sind unerwünschte Swisscom-Verbindungen alles andere, als selten. Und da wir nicht zur EU gehören, kann das für alle Beteiligten schnell sehr teuer werden. Einmal in den Fängen eines ausländischen Providers, der u.a. selbst am Claraplatz automatisch auch aus Frankreich stammen können, bezahlt der unwissende Schweizer Kunde die überrissenen Roaming- und Auslandstarife der ausländischen Veranstalter: Für hiesige Inlandsgespräche, SMS und Mails wohlgemerkt. Das bestätigt auch Mobilfunkanbieter Swisscom: «Es gibt Beispiele von Anbietern, die nun einen saftigen Aufschlag für ihre Kunden fürs Telefonieren und Surfen in der Schweiz verlangen», sagt eine Mediensprecherin gegenüber barfi.ch. Für Grenzgänger aus Deutschland sei die Deutsche Telekom und für französische Nachbarn Orange zu empfehlen. Diese beiden Anbieter zählen die Schweiz zur EU-Zone – und die Kunden zahlen somit keine Roaming-Gebühren.

Schweizer blechen weiterhin

Umgekehrt funktioniert das nicht und deshalb gehen die Schweizer Mobilfunkanbieter nun in die Roaming-Gegenoffensive. Ein Mitglied der barfi-Redaktion erhielt vergangene Woche eine SMS seines Anbieters Sunrise:

Künftig soll es für Sunrise-Kunden möglich sein für fünf Franken pro Tag im Ausland unlimitiert zu telefonieren, SMS zu schreiben und ein kleines Datenvolumen von 100 MB zu versurfen. Sei dieses aufgebraucht, wird der Zugang zum Internet bis ans Ende des Tages gesperrt. Denn Surfen im Ausland bleibt die grosse Schuldenfalle beim Roaming. Während in der Schweiz eine Internetflatrate schon recht günstig zu haben ist, greift man dafür im Ausland tief in die Tasche: 1 MB, was für eine halbe Minute auf Facebook reicht, kostet im Normaltarif bereits einen Franken.

Das Angebot von Sunrise wirkt attraktiv, vor allem wenn man es mit der Konkurrenz vergleicht. Die Swisscom bietet etwa die gleichen Tarife, doch ist dann bei der Schwelle von 5 Franken nicht automatisch Schluss. Der dritte grosse Anbieter hinkt in Sachen Roaming weiterhin munter hinterher: Salt verrechnet monatlich einen Preis indem SMS sowie Anrufe nicht günstiger enthalten sind. Das inbegriffene Datenvolumen wirkt mit 10 MB im Vergleich zur Konkurrenz läppisch.

Es heisst also weiterhin gut Acht zu geben, auf welchem Netz man in der Region gerade unterwegs ist. Einmal nicht aufgepasst und sehr genau den oben am Display schriftlich ablesbaren Anbieter am Handy-Display identifiziert, muss sich auf eine bösen Überraschung bei der nächsten Mobile-Telefonrechnung gefasst machen. Ganz Schlaue, die sich nun ein EU-Handy mit entsprechender SIM-Karte im Ausland besorgen und so regelmässig in der Schweiz günstig die hier durchaus brauchbaren Netze von Deutschland oder Frankreich nutzen, werden ab einer gewissen Datenmenge überprüft und zahlen nachträglich wegen der «bewussten Umgehung geltender Gesetze» zünftig nach.

Derzeit einziger Ausweg im völlig überteuerten Markt: sperren Sie in Ihrem Gerät unter «Einstellungen» alle ausländischen Anbieter. Das ist technisch für jeden noch so unbeleckten Laien möglich. Und wer sich einmal weit, oder länger, vom Land der Tellen entfernt, kann sich vorort mit einer lokalen Prepaykarte eindecken. Legal und preisgünstig.

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