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Zum Fremdschämen oder einfach Jugendsünden? Alte Schmuddelfilmchen mit überraschender Basler Beteiligung

Filme gibt es wie Sand am Meer. In den letzten Jahrzehnten hat sich ein Universum an bewegten Bildern aus jeglichen Genres angesammelt. Darunter viele grossartige, unnachahmliche Werke, aber auch solche, die man am liebsten vergessen möchte. Vor allem in den sogenannten «Bahnhofkinos» waren solche «Schmuddelfilmchen» zu sehen. 

Wir sind gleich auf mehrere mit überraschender einheimischer Beteiligung gestossen. Ist das nicht unser Basler Vorzeige-Schauspieler und Regisseur Helmut Förnbacher im alten Sexstreifen neben der nackten Dame? Ohne Scheu vor «Blutter Hut», aber leider auch Hakenkreuzen und SS-Uniformen. Oh doch, das ist er. Aber es ist auch der gleiche Künstler der später mit «Sommersprossen» und Regisseur zahlreicher Tatort-Produktionen brillierte. Vergessen sind die Ausrutscher, Basel kann auf ihn stolz sein. Gilt nicht für uns alle die Metapher: «Wir waren jung und brauchten das Geld»?     

Am Badischen Bahnhof findet sich ein Theater mit dem stolzen Namen: «Helmut Förnbacher Company». Besitzer und Namensgeber ist der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Helmut Förnbacher. Er kann auch eine lange Filmografie zurückblicken. Formate wie Unser Charly, Tatort, Rosamunda Pilcher und Forellenhof entstanden mit seinem Zutun. Er fungierte stets als Ideengeber, Drehbuchautor oder Darsteller und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein «Tausendsasa». In seiner bewegten Laufbahn entstand jedoch auch der eine oder andere Film, auf den er in seiner Filmografie heute wahrscheinlich lieber verzichten würde. So zum Beispiel der Film «Fröilein in Uniform» auch unter dem Titel «Eine Armee Gretchen» bekannt. Der Film des Regisseurs Erwin C. Dietrich ist eine pikante Mischung aus Kriegs- und Sexploitationfilm. Der Regisseur wird laut Wikipedia als «grösster Vertreter des europäischen Exploitationfilms angepriesen.

Die Handlung spielt gegen Ende des zweiten Weltkrieges, als die Personalschicht der Deutschen langsam aber sicher immer dünner wurde. Zur moralischen Unterstützung der Soldaten wurden auch Frauen rekrutiert, allerdings nicht um Wehrdienst zu leisten, vielmehr sollten sie zur Unterhaltung der Wehrleute dienen. Das ist das Geschehen in ein paar Sätzen zusammengefasst, viel mehr gibt es auch nicht zu erzählen. Heute würde man wohl das Wort «Trash» wählen, um den Film treffend zu charakterisieren. Auf der einen Seite mehr oder weniger stramme Soldaten in Uniform und auf der anderen Seite (grösstenteils) nackte Mädchen und mittendrin Helmut Förnbacher als «Hauptmann Mannteufel». Der Film löst beim Zuschauen mannigfaltige Gefühle aus: Man möchte weg- und doch hinsehen, man möchte lachen und weinen gleichzeitig und so wird es wohl auch den Besuchern von dazumal in den Bahnhofkinos ergangen sein. Wobei solche Filme damals wohl keine Seltenheit, sondern eher der Normalzustand war. Soll noch einmal jemand sagen: Früher war alles besser, der heutige Theater-Direktor Helmut Förnbacher mit Sicherheit nicht. Doch längst hat er mit seinem Theater, unzähligen hervorragenden Streifen wie "Sommersprossen" und der Regie mehrerer "Tatort-Produktionen bewiesen, dass unsere Stadt stolz auf diesen Künstler sein kann. Wie heisst doch gleich die Metapher: "...wir waren jung und brauchten das Geld"?