Patrick Frost, Chef der Swiss Life, muss sich mit der US-Justiz über die Vergangenheit des Konzerns unterhalten. (Archiv)
Patrick Frost, Chef der Swiss Life, muss sich mit der US-Justiz über die Vergangenheit des Konzerns unterhalten. (Archiv)
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Swiss Life im Visier der US-Justiz

Nach den Banken geraten nun auch Versicherungen ins Visier der US-Steuerbehörden. Der Lebensversicherungskonzern Swiss Life ist von der US-Justiz kontaktiert worden wegen des grenzüberschreitenden Geschäfts mit US-Kunden.

Swiss Life werde mit dem amerikanischen Department of Justice (DOJ) kooperieren, schreibt der Versicherer in einer Mitteilung am Donnerstag.

Beim betroffenen grenzüberschreitenden Geschäft handelt es sich um komplexe Lebensversicherungen, sogenannte "Wrapper". In diesen Versicherungsmäntel können wohlhabende Privatkunden ihr Vermögen steuergünstig anlegen.

Offiziell dürfen Versicherungsmäntel legal zur Steueroptimierung genutzt werden. In der Kritik stehen sie wegen des Verdachts, Kunden könnten diese Lebensversicherungsprodukte auch ausnützen, um Geld zu verstecken und so Steuerpflichten zu umgehen.

Keine Geschäfte mehr mit US-Kunden

Das Portfolio mit US-Kunden bei Swiss Life Liechtenstein und Swiss Life Singapur umfasse heute insgesamt rund 250 Millionen Franken. "Im heutigen Bestand wurden im Rahmen der Umsetzung der US-FATCA-Regelung sämtliche Kundenbeziehungen mit Bezug auf den Steuerstatus verifiziert", sagte Swiss-Life-Sprecher Christian Pfister auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Mit dem FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act) verpflichten die USA ausländische Finanzinstitute dazu, Konten von US-Kunden ihren Steuerbehörden zu melden. Institute, die das nicht tun, werden vom US-Kapitalmarkt ausgeschlossen.

Das Abkommen zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten über die Zusammenarbeit für eine erleichterte Umsetzung von FATCA ist Mitte 2014 in Kraft getreten.

In der Vergangenheit belief sich das Portfolio mit US-Kunden bei Swiss Life noch auf maximal rund 1 Milliarde Franken, wie der Lebensversicherer schreibt. "Seit 2012 machen wir keine neuen Geschäfte mehr mit US-Kunden", sagte Pfister.

Swiss Life werde nun die Möglichkeit zum Dialog nutzen, um in Zusammenarbeit mit den US-Behörden ihre grenzüberschreitendes Geschäft aus der Vergangenheit darzulegen, heisst es weiter im Communiqué.

Erste Kontaktaufnahme

Bereits Ende Februar 2014 hatten Medien berichtet, dass amerikanische Justiz- und Steuerbehörden ein kritisches Auge auf das grenzüberschreitende Geschäft der Swiss Life geworfen hätten.

Seither sei Swiss Life immer wieder nach dem Stand in dieser Angelegenheit gefragt worden, sagte Pfister. Es sei jetzt aber das erste Mal, dass das DOJ Kontakt aufgenommen hätte, stellte Pfister klar: "Die Gespräche mit der US-Justiz beginnen erst jetzt." Zur Höhe einer allfälligen Busse machte Swiss Life keine Angaben.