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Auch der Magen "schmeckt" Koffein

Geschmacksrezeptoren im Mund machen gutes Essen und Trinken zum Genuss und sorgen dafür, dass verdorbene oder giftige Substanzen schnell wieder nach draussen gelangen. Bisher war aber unklar, ob und - wenn ja - warum es Bitterstoff-Rezeptoren auch im Magen gibt. Wiener Forscher berichten nun, dass sie gemeinsam mit jenen im Mund die Magensäureproduktion regeln.

Ein internationales Team um Veronika Somoza und Kathrin Liszt vom Institut für Ernährungsphysiologie und Physiologische Chemie der Universität Wien hat untersucht, wie sich der Bitterstoff Koffein auf die Magensäureproduktion auswirkt. Dafür liessen sie Probanden eine Sonde schlucken, die den Säuregehalt (pH-Wert) im Magen misst.

Anschliessend tranken die Versuchspersonen eine koffeinhaltige Lösung entweder ganz normal, nahmen eine Kapsel ein, die das Koffein erst im Magen freigibt, oder spülten mit dieser Lösung nur den Mund. Hierbei zeigte sich je nach Verabreichung eine unterschiedliche Wirkung auf die Magensäureproduktion. Wurde gleichzeitig ein Bitterstoff-Hemmer eingenommen, verringerte sich die Säureausschüttung, wie die Forschenden im Fachblatt "PNAS" berichten.

Mund und Magen regulieren gemeinsam

Die Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierung von Geschmacksrezeptoren im Mund und Magen gemeinsam bestimmen, wie viel Magensäure ausgeschüttet wird, so die Forscher. Die unterschiedlichen Effekte, je nachdem wie das Koffein eingenommen wird, könnten laut Somoza einen evolutionären Hintergrund haben.

Man geht davon aus, dass Menschen und andere Tiere bittere Substanzen im Mund reflexartig als giftig einstufen und schnell Speichel produzieren, um sie auszuspucken. "Im Magen passiert ähnliches, Magensäure wird freigesetzt, damit der potenziell schädliche Stoff schnell abgebaut beziehungsweise weiter gelangt und möglichst kurz im Körper bleibt", sagte sie.

Zukünftig müsste geprüft werden, ob diese Erkenntnisse medizinisch möglicherweise dazu verwendet werden können, um mit Bitterstoffen oder Bitter-Blockern die Magensäureproduktion bei Patienten zu regulieren, die zum Beispiel bei gewissen Speisen zu viel davon produzieren, meint Somoza.

Der Kaffee nach dem Essen

Ausserdem unterlegt die Studie den Brauch in vielen Kulturen, nach dem Essen noch eine Tasse Kaffee zu geniessen, mit wissenschaftlichen Daten. Denn nun sei zumindest für den Kaffeeinhaltsstoff Koffein nachgewiesen, dass die Verdauung über den in der Studie beschriebenen Mechanismus gefördert wird.