Fund am Flughafen Zürich. Bild: wwf.ch
Fund am Flughafen Zürich. Bild: wwf.ch
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Skorpione, Kobras und Elefantenstosszähne: Illegale Souvenirs im Zürcher Flughafen

 Tote Kobras in Whiskeyflaschen, einbalsamierte Krokodile, Korallen, Elfenbeinschmuck, seltene Vogelspinnen und Schmetterlinge. Und ausserdem: Ledertaschen, Nester seltener Vogelarten und Cremes aus Tigerkrallen.

An einer Wand lehnen drei mehr als einen Meter hohe Elefantenfüsse. In einer Vitrine befinden sich die Reste eines Löwen und der Kopf eines Affen. All dies findet man, wenn man das Zolldepot des Zürcher Flughafen betritt. Hier enden die von Schweizer Touristen nach ihrer Rückreise aus exotischen Ländern beschlagnahmten illegalen Souvenirs, aber auch diejenigen von echten Schmugglern, die von Südafrika aus starten, in Zürich zwischenlanden und, in der Hoffnung nicht «geschnappt» zu werden, nach Asien weiterreisen.

Der WWF hat einen ganzen Tag zusammen mit «Winner» verbracht, einem der vier ausgebildeten Grenzwachthunde (ein fünfter wurde vom BLV ausgebildet), die Souvenirs aufspüren, welche aus Tieren hergestellt wurden, die durch das Washingtoner Abkommen (CITES) geschützt sind. Die Ausbildung der Hunde erfolgt innerhalb von zwei Jahren. Doris Calegari, Verantwortliche «Internationaler Artenschutz» beim WWF Schweiz erklärt: «Das Abkommen schützt über 35‘000 Tier- und Pflanzenarten. Der internationale Handel mit ihnen oder ihren Derivaten ist verboten oder unterliegt strengen Kontrollen. Wir sprechen hier über einen Umsatz, der 20 Milliarden Dollar pro Jahr übersteigt.»

In der Schweiz werden jährlich durchschnittlich mehrere Hundert Objekte beschlagnahmt: Souvenirs aus Elfenbein sind immer wieder dabei, und vor einigen Monaten wurde sogar eine Person mit 13 Kilogramm Pangolinfleisch (auch als Schuppentier bekannt) im Reisegepäck angehalten. Marc Michel, technischer Leiter und stellvertretender Chef des Diensthundewesen Grenzwachtkorps (GWK), ist zufrieden mit der Arbeit der Hunde: «Wir selbst verfügen über vier ausgebildete Hunde, und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) stellt uns einen fünften zur Verfügung. Die Hunde sind daraufhin trainiert, zehn Gerüche zu erkennen, dank denen es ihnen möglich ist, bis zu 70 unterschiedliche Arten zu erkennen.»

Mathias Lörtscher, Verantwortlicher für Artenschutz beim BLV, fordert Reisende dazu auf, sich über die gemeinsam mit dem WWF Schweiz geschaffene App zu informieren: «Man kann nicht alle durch CITES geschützten Arten kennen. Es geht nämlich nicht nur um Elfenbein, sondern auch um Korallen und Gegenstände, die aus Derivaten geschützter Arten entstehen. Aus diesem Grund lade ich alle dazu ein, mit Hilfe der App eventuelle Souvenirs zu kontrollieren oder uns direkt zu kontaktieren.» Miroslaw Ritschard, Stellvertretender Zollstellenleiter Zürich Flughafen, hat in seiner mehr als 25jährigen Laufbahn einiges gesehen und kann bestätigen, dass die Zahl der Beschlagnahmungen zugenommen hat: «Auf der einen Seite ist die Nachfrage auf den asiatischen Märkten gestiegen, auf der anderen sind wir selbst sensibler gegenüber diesem Problem geworden und führen gezielte Kontrollen durch. Es kommt immer wieder vor, dass die Zollbeamten nicht auf den ersten Blick sagen können, ob es sich bei einem Fund um ein illegales Souvenir handelt. In diesem Fall wird das BLV eingeschaltet, dessen Experten die bestimmenden Analysen durchführen. Ein anderes aufkommendes Problem ist der Import von lebenden Tieren, insbesondere Reptilien, Vögel, Skorpione, oder von seltenen Pflanzen.»

Souvenirs aus geschützten Arten sind eine Bedrohung für Flora und Fauna. Aber auch für die Reisenden kann eine illegale Einfuhr unangenehm werden: Illegale Souvenirs werden beschlagnahmt und es kann zu einem Strafverfahren kommen. Weitere Details über CITES stehen auf der Webseite des BLV zur Verfügung. Um es allen Reisenden zu ermöglichen, sich über Risiken durch den Kauf bestimmter Objekte zu informieren, haben der WWF und das BLV in der WWF Ratgeber-App den Souvenir-Einkaufsratgeber aufgeschaltet. Die Applikation kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

Was ist das CITES? Das «Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen», kurz CITES, listet mehr als 35‘000 Tier- und Pflanzenarten, die lebend oder als Produkt verarbeitet, Handelsobjekte auf internationalen Niveau darstellen. Das Ziel von CITES ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der tierischen und pflanzlichen Population auf unserem Planeten. Bis zum heutigen Tag haben 180 Staaten dieses multilaterale Abkommen unterzeichnet; die Schweiz war dabei eines der ersten Länder, die beitraten.