Fischli Weiss, "Rock on Top of Another Rock“ 2015, Foto: Roche AG
Fischli Weiss, "Rock on Top of Another Rock“ 2015, Foto: Roche AG
  • Jonas Egli

Neues Kunstwerk der Superlative für Basel

Zum Bau 1 gab es bei der Roche auch eine neue Skulptur von Peter Fischli und David Weiss. Kein Leichtgewicht und auf jeden Fall sehenswert.

Im Grunde, in ihrer Urform sozusagen, sind Häuser aufeinander gestapelte Steine. Hoffmann-La Roche hat dies in Basel zum schweizweiten Höhenrekord geführt und der Turm zu Babel wurde vor knapp einem Monat feierlich eröffnet. Ein weiterer, höherer soll bekanntlich folgen. Mit dessen Eröffnung ging auch die weitgehend unbemerkte Einweihung einer Skulptur des Künstlerduos Fischli und Weiss einher, welche nun den Eingang des Bauwerks schmückt. "Rock On Top Of Another Rock" balanciert zwei Gesteinsbrocken aus dem Gotthardmassiv aufeinander und wurde eigens für diesen Ort und Anlass bei Peter Fischli in Auftrag gegeben. Es existiert zwar seit 2013 eine frühere Version in den Kensington Gardens in London, welche für die Serpentine Gallery des bekanntesten Schweizer Kuratoren-Exports Hans-Ulrich Obrist errichtet wurde, diese ist jedoch etwas runder und moosbewachsener, wie es zu einem englischen Park am besten passt. Während jene in Basel eher eckig und kalkig-weiss daherkommt, wie es sich für ein Pharmaunternehmen eben gehört. Sie sieht, ehrlich gesagt, auch ein wenig stabiler aus. Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu fest windet, wie die Zürcher bei ihrem eigenen Turm unlängst feststellen mussten. Doch die beiden Künstler haben ihrerseits längst bewiesen, dass sie sich mit Gleichgewichtsübungen auskennen, bevor sie sich an tonnenschwere Hinkelsteine machten: Ihre Serie “Stiller Nachmittag” von 1985 besteht aus äusserst filigran balancierten Küchenutensilien, die so entstandenen Skulpturen tragen vielsagende Titel wie “Ehre, Mut, Zuversicht” oder “Kann ich alles, darf ich alles?”. Die Jury für den noch leeren Standort vor dem Bau 1 tagte in Zusammenarbeit mit den Bauherren von Herzog & de Meuron lange und es ist nicht bekannt, ob solch vorteilhaft klingende Titel früherer Schwebestücke damit etwas zu tun haben, dass Peter Fischli und David Weiss den Zuschlag erhielten. Jedenfalls steht die Grossskulptur nun da und kann besichtigt werden.

Fischli Weiss: "Rock on Top of Another Rock", 2013 in den Kensington Gardens London, Foto: Wikipedia

Steine scheinen ohnehin gerade Konjunktur zu haben: Wanderer stellen seit Urzeiten in derselben Weise Wegmarken her, besonders fingerfertige Gesellen machen damit sogar Youtube-Karriere (vermutlich anstatt der wesentlich prestigeträchtigeren eines Handchirurgen oder Bombenentschärfers, aber das muss jeder selber wissen). Das Los Angeles County Museum of Art erregte 2012 Aufsehen, als der Künstler Michael Heizer ein 340 Tonnen schweres Exemplar über den Eingangskorridor des Museums hieven liess. Das Ding ist ein Publikumsmagnet und die Fotos davon sind notgedrungen jenen, die vom schiefen Turm von Pisa gemacht werden, sehr ähnlich. Nun ist diese offensichtlich international populäre Beschäftigung also auch in Basel endlich möglich.

Fischli Weiss: "Rock on Top of Another Rock" 2015

Laut Hoffmann-La Roche dürfen Mitarbeiter, die über ein Büro mit Wänden verfügen, sich bei der von Cornelia Dietschi Schmid kuratierten Sammlung Werke für ihren Arbeitsplatz auswählen. Leider erfüllt bei den Büros im Turm keines diese Kriterien, so dass glücklicherweise niemand auf die Idee kommen kann, sich von dem eingangs Stehenden inspirieren zu lassen und eine eigene Ausführung von “Rock On Top Of Another Rock” anzufordern. Eine Mini-Version jener Skulptur aus ungefeuertem Lehm jedoch wurde im März online bei Paddle8 zum Kauf angeboten. Wer weiss, vielleicht beschwert sie nun Briefe hoch über der Grenzacherstrasse.

Wie dem auch sei, ein Grund zur Freude ist es ohnehin und es bleibt zu hoffen, dass das Werk für Roche nicht zum Omen wird, ganz nach dem Motto von Fischli und Weiss selbst: “Am schönsten ist das Gleichgewicht, kurz bevor’s zusammenbricht”