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"Über den Wolken" und "Mr. Lee": Reinhard Mey wird 75

Er besingt das Klempner-Handwerk, landet mit "Über den Wolken" einen seiner grössten Hits und begibt sich auf die Spuren von "Mr. Lee". Jetzt feiert der Liedermacher Reinhard Mey seinen 75. Geburtstag.

Seine Songs sind melodisch und sanft melancholisch. Aber Liedermacher Reinhard Mey mag es auch bissig, ironisch und temperamentvoll. Vertonte Sehnsüchte wie in "Über den Wolken" oder absurde Alltagserlebnisse wie in "Ich bin Klempner von Beruf" haben den gebürtigen Berliner berühmt gemacht.

Mit "Mr. Lee" ist kürzlich Meys 27. Studioalbum erschienen. Mehr als 500 Lieder sind in den vergangenen Jahrzehnten entstanden. Am 21. Dezember feiert der Sänger seinen 75. Geburtstag.

Von Ruhestand ist aber keine Rede. Gerade tourte Mey mit "Mr. Lee" quer durch Deutschland, im Februar geht es dann nach Österreich. Interviews wolle er zu seinem Geburtstag nicht geben, heisst es bei seinem Management. Zahlreiche Anfragen und auch grosse TV-Abendsendungen seien abgelehnt worden.

Der Sänger lässt seine neuen Lieder sprechen. Sie heissen "So viele Sommer", "Lucky Laschinski" und "Wenningstedt Mitte". Mey singt in bewährt ernst-heiterer Mischung über die Endlichkeit des Lebens, die zugelaufene Katze und das Familienleben.

Feuer gefangen für die Musik

Mey begann seine Musiker-Karriere als "Barde mit der Gitarre" ("Ich wollte wie Orpheus singen") in den 60er Jahren in Frankreich als Frédérik Mey. Mit seiner Berufswahl habe er nie gehadert, meinte der Musiker in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einmal. "Ich habe diesen Entschluss nie bereut, nicht in lausigen Sälen, nicht angesichts hämischer Kritiken und auch nie in den einsamen Stunden des Lampenfiebers."

Vor 50 Jahren habe er sein Betriebswirtschaftsstudium an den Nagel gehängt und sich entschieden, Berufsmusiker zu werden. "Diese Berufsbezeichnung trug ich in Hotels und Pensionen wie einen Adelstitel stolz in die Spalte 'Beruf' der Meldescheine ein."

Er habe "Feuer gefangen am Dichten, am Suchen und Finden von Ideen, Worten und Melodien und vor allem am Ringen mit unserer schönen, störrischen, aber dafür so wunderbar genauen Sprache".

Reinhard Mey wurde am 21. Dezember 1942 in Berlin-Wilmersdorf geboren - "als die ersten Bomben fielen, kam ich grade auf die Welt". Er entwickelte eine Art Hassliebe zu seiner Vaterstadt, die er aber nie endgültig verliess. An der Mauer, die die Stadt teilte, rannte er sich nach eigenen Worten "immer wieder den Kopf ein".

Glück und "der grösste Schmerz"

Schon 1962 vertonte Mey Balladen von François Villon. Zu seinen späteren Erfolgen gehörten Songs wie "Ankomme Freitag, den 13.", "Menschenjunges", "Diplomatenjagd", "Annabelle, ach Annabelle" und "Gute Nacht, Freunde". Einen seiner grössten Hit landete der leidenschaftliche Amateurpilot mit dem Evergreen "Über den Wolken".

Kritiker warfen ihm gelegentlich eine musikalisch zunehmende Gleichförmigkeit vor, andere loben ihn als "stille, ehrliche Kraftquelle" für den Alltag. Seine Fans sind Reinhard Mey seit Jahrzehnten treu.

"Keine Mega-Party, kein Aufriss, kein Fernsehen, kein Radio, keine Interviews. Ich habe euch mein Leben in meinen Liedern erzählt", hatte der Chansonnier mit der samtigen Stimme schon zum letzten runden Geburtstag erklärt.

Das Leben habe ihn "mit Geschenken überhäuft, mit Glück und Liebe überschüttet und, wie, um Gleichgewicht und Gerechtigkeit wiederherzustellen, auch mit dem grössten Schmerz". Sein 1982 geborener Sohn Maximilian war 2009 nach einer schweren Krankheit ins Wachkoma gefallen, wie Mey damals mitteilte. Im Jahr 2014 starb Meys Sohn.