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Basler Fasnacht: Endlich Weltkulturerbe – und jetzt?

Es dauerte ja nur knapp ein Jahrzehnt bis die Entscheidung endlich definitiv ist. Doch was bedeutet dieser neue Status nun konkret? Wird er Auswirkungen auf die real existierende Fasnacht haben? Eine vorsichtige Analyse.

Lange dauerte es, bis der Entscheid der UNESCO verkündet wurde. Seit Donnerstagmorgen ist nun allerdings bekannt: die Basler Fasnacht ist Weltkulturerbe und schützenswert. Damit reiht sich unser Volksfest nebst dem «Tag der Toten» in Mexiko, dem Tango und – seit heute auch – der Pizza ein. Die Basler Fasnacht ist der Welt wichtig. Das wissen wir nun.

Nebst dem Winzerfest in Vevey ist unsere Fasnacht erst das zweite Schweizerische Kulturerbe, das in die Liste aufgenommen wurde. Aber was heisst das nun für all’ die Waggis, Ueli und alte Dante? Darf sich unsere Fasnacht nun nicht mehr weiterentwickeln, muss sie genauso bleiben, wie zum Zeitpunkt der Ernennung festgehalten? Diese Sorgen machten sich einige Cliquen in den letzten Jahren und spielten das auch in ihren Sujets aus. «Ganz im Gegenteil» meinte Felix Rudolf von Rohr, seines Zeichens ehemaliger Obmann des Fasnachts-Comités. Er war federführend für die Bewerbung bei der UNESCO. Die Bewerber müssen belegen, dass die Tradition in der Liste auch weitergeführt wird «Und: dass sie sich weiterentwickelt».

So wurde die UNESCO überzeugt

Felix Rudolf von Rohr formulierte drei Hauptpfeiler, die unsere Fasnacht ausmachen und damit die Unesco überzeugen sollen:

  1. Die Kernaufgabe der Fasnacht ist die Hofnarren-Rolle: Die Basler Fasnacht ist eine Sujet-Fasnacht. «Wir persiflieren mit der feinen Klinge und thematisieren so die grossen Probleme der Welt».
  2. Die soziale Komponente: Alle machen Fasnacht. Sie ist keine Angelegenheit einer Elite oder primitive Volksbelustigung. «Alle kommen hier zusammen. Toleranz ist unsere wichtigste Grundfeste».
  3. Die Pflege der Kunst. Also der darstellenden Kunst: Laternen, Larven, Kostüme. Der Wortkunst und der musikalischen Kunst, «wie das weltweit einmalige Trommeln».

Und damit wurden die Damen und Herren in Südkorea diese Woche überzeugt. Die Liste der «lebendigen Traditionen in der Schweiz» ist lang – 167 Einträge um genau zu sein. Nebst der Fasnacht verzeichnete Basel noch die Herbstmesse, das Rheinschwimmen und den Vogel Gryff. Das Bundesamt für Kultur und die Basler Regierung haben sich dafür entschieden, die «drey scheenschte Dääg» der UNESCO zu präsentieren. Und das, obwohl die Regierung zuerst zögerte, sie fragte sich ob vielleicht doch eher der Vogel Gryff vorzuziehen wäre...

Nun muss regelmässig ein Bericht an die UNESCO angefertigt werden, der aufzeigt, wie es denn um die Fasnacht steht. Unterstützung finanzieller Art gibt es dafür nicht. Den einzigen Vorteil, den die Fasnacht nun hat, ist die internationale Bekanntheit und somit vielleicht sogar mehr Besucher aus dem Ausland. Und was bleibt ist auch der Gedanke, dass unsere schöne Tradition schützenswert und damit besonders wertvoll ist. Was wir Basler schon immer wussten, weiss nun auch die ganze Welt.

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