• Jonas Egli
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Die Basler Museumsstrategie: Ist Ackermanns Papierstau nun gelöst?

Ein Kulturpapier wurde zum Prüfstein von Regierungspräsidentin Ackermann. Heute konnte sie mit Sonja Kuhn eine schlanke Museumsstrategie präsentieren. Ist nun alles gut zwischen Regierung und Museen? Die Stimmung deutet immer mehr auf eine einvernehmliche Trennung hin.

Die Regierungspräsidentin war nicht zu beneiden: Einerseits wollten alle das Papier, das ihre Vorgänger versprochen hatten, andererseits gestaltete sich die Lage bei den Museen so vertrackt, dass einige rieten, sie solle genau mit diesem Papier zuwarten, bis die Resultate entsprechender Analysen bekannt sind. «Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann», beruft Ackermann sich auf das Sprichwort. Ende Sommer setzten gleich zwei Kommissionen der Regierung das Messer an den Hals. Fertig gewurstelt, sonst gibt es keine Entscheide mehr. Auch das noch.

Das ominöse Papier, erstmals 2009 aufgetaucht, 2016 in einer ersten Fassung vom Grossen Rat abgelehnt, hat sich zum Prüfstein für die Regierungspräsidentin entwickelt. Auch die beiden Leiterinnen der Abteilung Kultur, Katrin Grögel und Sonja Kuhn, bekamen bereits in den ersten Wochen den steifen Wind zu spüren. Kuhn hat inzwischen bewiesen, dass sie eine andere Strategie fährt als die zurückhaltende Präsidentin. Sie lässt die Kritik nicht auf sich sitzen. Von Grögel ist bisher nur der Name aufgetaucht.

Der hölzerne Weg zum Papier

Im Vorraum des Grossratsaales war Elisabeth Ackermann heute morgen sichtlich erleichtert. Sie musste lange kämpfen, um soliden Boden unter die Füsse zu bekommen. Lange hat sie versucht, sich die drängenden Fragen vom Hals zu halten. Das kam nicht gut an. Zwar bedauert sie, dass es so lange gedauert hat, aber: «Ich habe es in elf Monaten geschafft! In den sieben Jahren davor war ich nicht dabei.» Die musealen Altlasten fielen mit Amtsantritt auf ihre Schulter, die Präsidentin musste einen Kulturkuchen backen, den sie nicht bestellt hatte. Dies stiess vielen sauer auf: Hat die Regierung nichts besseres zu tun, als den Museen auf die Finger zu schauen? Im Zuge der finanziellen Engpässe beim Kunstmuseum und beim Historischen Museum wurde aber bald klar: Sie muss sich darum kümmern. Die fünf Museen bergen enorme finanzielle Risiken für den Kanton. Die Leichen müssen aus dem Keller, und zwar sofort. Die Museumsstrategie muss her, und zwar bis Ende Jahr.

Hier ist sie also. Und sie fällt aus, wie sie zu erwarten war: schlank. Der wichtigste Punkt darin ist, dass die Finanzen der Museen zukünftig über Globalbudgets geregelt werden sollen. Die Museen sollen «grösstmögliche Selbstständigkeit und inhaltliche Freiheit erhalten». Damit können sie Rückstellungen tätigen und erhalten Planungssicherheit. Die Museen müssen nicht mehr jedes Jahr neu antraben. Das alte, komplizierte Bonus-Malus System fällt zudem weg. Es sei zu kompliziert im Verfahren gewesen und brachte wenig unternehmerischen Anreiz. Die laufenden Betriebsanalysen laufen derweil weiter.

Mehr Freiheit für die Museen

Minuten vor der Präsentation eilte ein nachdenklicher Joseph Helfenstein aus dem Rathaus. Offenbar fanden Gespräche bis in die letzte Minute statt. Er könnte erfreut sein, schliesslich erhielt er gerade mehr Freilauf. Warum verteilt man jetzt die lange Leine und nicht die eher kurze, nachdem, was passiert ist? «Es ist für das Funktionieren der Museen sehr wichtig, dass sie unabhängig agieren können», erklärt die Regieungspräsidentin. Die Direktoren haben also gewonnen. Aber nicht nur, denn damit zieht auch die Präsidentin den Kopf präventiv und dauerhaft aus der Schlinge. Nach dem Debakel der Vergangenheit hat man im Rathaus offensichtlich keine Lust mehr, für die Fehler der Vergangenheit und der einzelnen Häuser einzustehen. Freiheit bedeutet auch mehr Eigenverantwortung. Sind die Analysen und Globalbudgets erstmal durch, ist für jeweils vier Jahre Ruhe. Ackermann plant, die Globalbudgets mit den Analysen gestaffelt zu verhandeln, auch sie hat keine Geduld mehr: «Ich kann nicht drei Jahre warten.» Die Strategie scheint also zu sein, die Altlasten der Museen zu beseitigen und danach vermehrt getrennte Wege zu gehen. Kuhn soll dreimal im Jahr Gespräche mit den Institutionen führen. 

Der rettende Seiltanz

Der Seiltanz ist nun, die Budgets bei laufenden Analysen und Neubauplänen über die Bühne zu bringen. Die Analysen finden gestaffelt statt, zuerst sind die Brandherde Historisches Museum und Kunstmuseum dran, danach folgen das Museum der Kulturen und schliesslich das Antikenmuseum. Dass das funktionieren wird, ist alles andere als sicher. Spannend könnte es bei den letzten zwei Positionen werden, welche von der Diskussion bisher weitgehend verschont blieben. Woher weiss man denn, ob bei diesen in Führung und Kasse nur eitel Sonnenschein herrscht? Zwar sind deren Budgets nicht mit jenem eines Kunstmuseums zu vergleichen, dennoch gehen die Beträge, wie man gesehen hat, schnell in ansehliche Höhen. Für das Naturhistorische Museum verzichtet man wegen den nach wie vor ungelösten Unsicherheiten bezüglich dem Neubau vorerst auf die eingehende Analyse. Das Bauprojekt soll spätestens im Sommer 2018 dem Grossen Rat vorgelegt werden.

Die Strategie, wie sie jetzt vorliegt, zieht eine Teilrevision des Museumsgesetztes nach sich und diese Änderungen werden im Laufe des nächsten Jahres dem Rat vorgelegt. Für Ackermann bleibt nun zu hoffen, dass ihr nicht das gleiche Schicksal wie Morin blüht: Sein Vorschlag für die Strategie wurde 2016 vom Rat abgelehnt. Sonst müsste sie 2018 wieder von null beginnen.

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