Einzug Rudolf von Habsburg in Basel nach seiner Wahl zum König (Historiengemälde von Franz Pforr, 1809–1810).
Einzug Rudolf von Habsburg in Basel nach seiner Wahl zum König (Historiengemälde von Franz Pforr, 1809–1810).
  • Christine Staehelin
  • Aktualisiert am

Die verborgenen Schätze des Historischen Museums Basel: Als Basel beinahe zur Hauptstadt der Habsburger wurde

Das Jahr: 1882. Der Ort: St. Johanns-Vorstadt. Der Fund: ein unglaublicher Münzschatz aus dem 13. Jahrhundert. Bei Abrissarbeiten eines Gebäudes in der St. Johanns-Vorstadt, fanden Bauarbeiter einen Topf mit 2600 Münzen aus dem 13. Jahrhundert. 

Die Münzen nehmen uns mit in eine Zeit, als Rudolf von Habsburg grosse Pläne für die Region Basel schmiedete. Die Geschichte birgt eine gewisse Ironie: Der Münzfund wurde in der St. Johanns-Vorstadt gefunden, genau die Vorstadt, welche Rudolf von Habsburg 1272 niederbrennen liess. Der Grund? Bischof Heinrich III. von Neuenburg liess die Stadttore schliessen, als der Habsburger vor Basels Mauern erschienen. Die Basler Bischöfe wollten damals ein Machtvakuum im Breisgau füllen, das nach dem Tod Kaiser Friedrichs II. und dem Aussterben des Schwäbischen Adelsgeschlechts der Zähringer entstand. Besonders attraktiv war das Gebiet im Schwarzwald wegen der dortigen Silberminen. Doch es war auch attraktiv für die Habsburger. Und so entstand der Streit zwischen Bistum Basel und dem Habsburger Rudolf.

Beispielmünzen aus dem Basler Münzschatz. Basel, Hochstift. Peter I. Reich von Reichenstein als Elekt (1274–1275), Basel, Pfennig, 1274–1275.

(Quelle: Michael Matzke. Hortfund - Verlustfund. Münzfunde spiegeln den Schweizer Münzumlauf im späten 13. Jahrhundert.) 

Das Kriegsbeil wurde jedoch begraben, als König Rudolf I. in Frankfurt am Main im Jahr 1273 als König des Reiches bestätigt wurde und somit auch als oberster Schirmherr der Stadt am Rheinknie galt. Zudem hatte er grosse Pläne mit der Region Basel, wie eine Prägung zeigt. Im Jahr 1274 wurde in der Rheinstadt eine Reichsvogtei eingerichtet und es begann eine königliche Münzreform. Der 1882 gefundene Schatz bestand vorwiegend aus den damals erstellten Basler Pfennigen mit 2123 von den insgesamt 2547 Münzen.

Beispielmünzen aus dem Basler Münzschatz. Hochstift. Heinrich IV. von Isny (1275–1286), Basel, Pfennig, um 1275–1280

(Quelle: Michael Matzke. Hortfund - Verlustfund. Münzfunde spiegeln den Schweizer Münzumlauf im späten 13. Jahrhundert.) 

Ein Exemplar erzählt eine besonders interessante Geschichte: Ein Silberpfennig, der eine gekrönte Königsbüste umrahmt von zwei Türmen und den Buchstaben «N – S» zeigt. Das Münzbild nimmt unmittelbar Bezug auf das grosse Basler Stadtsiegel, fügt aber nun eine königliche Büste in die für die Stadt stehende Kirchendarstellung ein. Das religiöse «A» und «O» auf dem Siegel wurde durch das Kürzel «N – S» oder «S – N», was als nostra sedes bzw. sedes nostra, also «unser Sitz» zu deuten ist. Basel sollte also neuer Sitz der Habsburger-Monarchie werden.

So weit kam es dann aber doch nicht: Rudolf I. verschob seine Reichspolitik in den Osten, Bischof Heinrich IV. und seine Nachfolger drängten die königliche Dominanz zurück und Basel wurde doch nicht zum Hauptsitz des Habsburgergeschlechts, das ein Reich beherrschen sollten «in dem die Sonne niemals untergeht.» 

Mehr Informationen zur Münzsammlung des Historischen Museums Basel. 

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