© Werner Spichty/Historisches Museum Basel
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  • Christine Staehelin / Historisches Museum Basel
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Die verborgenen Schätze des Historischen Museums Basel: Die Basler Schlitten

Heute ist der Winter in Basel angekommen: in Liestal und auf dem Bruderholz schneit es bereits. Spätestens mit dem ersten Schnee beschäftigen sich die meisten Automobilisten mit der Frage nach den Winterpneus. Ein Termin bei der Autogarage sollte spätestens jetzt vereinbart werden. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war der Winter auch in Basel die Zeit der Schlitten. Das Historische Museum Basel hat zwei besondere Exemplare im Depot.

In Pelze gehüllt, kichernd, voller Vorfreude auf ein Nachtessen mit anschliessendem Tanz: So kann man sich die Schlittenfahrten vorstellen, die vom 18. Jahrhundert  bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts veranstaltet wurden. Junge Baslerinnen und Basler aus reichen Häusern führten die barocke Tradition der höfischen Karussellfahrten vor und zogen vom Münsterplatz aus für vergnügliche Abende ins Elsass oder ins Badische.

Basler Wurst-Schlitten. Aus der Sammlung vom Museum für Pferdestärken, Historisches Museum Basel. 

Wer keinen eigenen Schlitten besass, fuhr in einem Mietschlitten an diese Abende. Die sogenannte «Wurst» bot Platz für mehrere Passagiere und wurde von einem Kutscher geführt. Und diese Fahrten waren besonders beliebt. Denn die in der «Wurst» gemachten Bekanntschaften führten nicht selten im Verlauf des Abends zu einer Verliebtheit mit einer späteren Hochzeit.

Der Luxus-Schlitten 

Neben diesen «Schlitten-Taxis» gab es verschiedenste private Schlitten. Aber keiner erregte wohl so viel Aufmerksamkeit, wie der «Minerva»-Schlitten, dessen stolzer Besitzer der Basler Privatier Johann Jakob-Bachofen-Petersen war.

Minerva-Schlitten. Carrosserie Eugène Kauffmannzwischen 1890 und 1894. Aus der Sammlung vom Museum für Pferdestärken, Historisches Museum Basel. 

Der Schlittenname verrät auch die grosse Leidenschaft des Besitzers: Die Altertumswissenschaften. Er ging als bekannter Forscher in die Geschichtsbücher ein und sein Werk: «Das Mutterrecht» gilt als als Ursprung moderner Theorien zum Matriarchat. Auch sein Vater, ein wohlhabender Seidenband-Industrieller, hinterliess seine Spuren in Basel: Er baute für seine Familie das Gebäude, in dem heute das Antikenmuseum untergebracht ist. So kann man es sich gut vorstellen, wie Johann Jakob-Bachofen-Petersen von der St. Alban-Vorstadt an einem Winterabend in den Schlitten stieg und hinunter zum Stadtcasino fuhr, um ein Konzert zu besuchen.

Der Minerva-Schlitten auf dem Münsterplatz 1985. ©Werner Spichty/Historisches Museum Basel. 

«Für Basler Verhältnisse ist der Minerva-Schlitten (…) ungewöhnlich prunkvoll und reich ausgeführt. Der ganze Schlitten macht einen wahrhaft ‚königlichen’ Eindruck», beschreibt Eduard J. Belser den Schlitten. Minerva, die römische Göttin der Weisheit, ziert den Schlitten, die Armlehnen sind mit Löwenköpfen geschmückt. Das Besondere daran ist auch, dass der Herr den Schlitten selbst kutschierte. Auf dem hinteren Sitz wurde ein Bockdiener mitgeführt, zwei sogenannte Gala-Lampen dienten der Beleuchtung. Der Luxus-Schlitten ging 1904 in den Besitz der Familie Fürstenberger über. Vor 31 Jahren erlebte er noch einmal eine traditionelle Fahrt über den Münsterplatz. 

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