• Christine Staehelin / barfi.ch
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Frühlingsputz ist lebensgefährlich

Mit den warmen Temperaturen kommt die Saison des traditionellen Frühlingsputzes. Was heute eher noch als Erinnerung an die gute alte Zeit, denn als jährliche Grundreinigung zelebriert wird, soll gefährlich sein. Eine neue wissenschaftliche Studie, an der das Basler Tropeninstitut beteiligt war, besagt, dass die Reinigungsmittel die Lungenfunktion erheblich beeinträchtigen und schädlicher sind, als massives Rauchen.

Endlich, der Lenz kündigt sich langsam an. Die Sonnenstrahlen erreichen die hintersten Ecken und Winkel der Wohnung. Das ist zwar schön, doch kommt damit auch der Staub zum Vorschein und die nicht mehr ganz glasklaren Fenster. Für immer noch viele Familien das Signal: Frühlingsputzete! Staubsauger, Putzlappen und Staubwedel kommen nun ausgiebig zum Einsatz. Gleichzeitig hört man im Hinterkopf die Warnung: Die meisten Unfälle geschehen im Haushalt. Also wagt man keine allzu halsbrecherischen Putzaktionen und anstelle des Hockers wählt man die sichere Leiter. Und trotzdem bleibt das Putzen alles andere als harmlos. Allerdings noch aus ganz anderen Gründen. Denn gemäss einer kürzlich publizierten europäischen Studie lauert erhebliche Gefahr in den heute verwendeten Reinigungsmitteln.

Vorsicht beim Frühlingsputz! © Keystone

Schadstoffe in der Lunge 

Cilit Bang, Meister Proper und wie sie alle heissen verschlechtern die Lungenfunktion. Der Schaden ist vergleichbar mit dem täglichen Rauchen eines Zigarettenpäcklis. Es ist ein Teufelkreis: Putzen muss man, der Staub schlägt sonst ebenfalls auf die Lunge. Das Tropeninstitut Basel hat an der erwähnten Studie mitgearbeitet, unter anderem Nicole Probst-Hensch. Die Resultate haben sie nur bedingt überrascht: «Wir wissen aus der Forschung mit verschiedenen Schadstoffen, die in die Lunge inhaliert werden, dass sie die altersbedingte Abnahme der Lungenfunktion beschleunigen können». Die Reinigungsmittel enthalten irritierende Schadstoffe, die bei jedem Putzen eingeatmet werden. Dabei leiden nicht nur die Putzteufel. Schon die einmalige Verwendung eines Reinigungssprays oder eines Reinigungsprodukts pro Woche genügt. «In unserer Studie erfüllten 72 Prozent dieses Kriterium», sagt Nicole Probst-Hensch. 

Das bisschen Haushalt...

Trotz Emanzipation und laufender Gleichstellungsdebatte ist die Hausarbeit tatsächlich selbst heute noch vorwiegend Frauensache. In der Studie wurde dann auch deutlich, dass vor allem Frauen unter einer verschlechterten Lungenfunktion, die durch Reinigungsmittel ausgelöst wurde, leiden. «Bei den Frauen sehen wir einen klaren Effekt», erklärt die Forscherin. «Bei den Männern sehen wir ihn nicht. Das ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass wir nicht genügend männliche Studienteilnehmer haben, um gesicherte Aussagen zu machen.»

Nicht mehr putzen ist auch keine Lösung

Die Frage, ob ein Mundschutz bei der Reinigung die Lunge schützen könnte, beantwortet die Wissenschaftlerin so: «Das würde sicher helfen. Beim Handhaben von extrem irritierenden Stoffen ist es immer sinnvoll». Doch gerade bei wärmeren Temperaturen bleibt der Griff zum Mundschutz eher Wunschdenken. Auch wäre die Anwendung ökologischer Reinigungsmittel weniger schädigend. Doch dabei muss man bedenken, dass sogar Essig irritieren kann. «Das müsste weiter untersucht werden», so die Forscherin. 

Ein einfacher und gut umsetzbarer Tipp hilft der Lunge: «Wo immer möglich mit Wasser und gutem Reinigungstuch arbeiten und auf zusätzliche Reinigungsmittel verzichten», schlägt Nicole Probst-Hensch vor. So verschwindet der Staub, die Wohnung wird sauber und die Lunge leidet nicht.

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