So soll der moderne Container-Bau mit einer Nettonutzfläche von 170 Quadratmetern hinter dem Bahnhof bald aussehen. © Projektbeschrieb «Encourage»
So soll der moderne Container-Bau mit einer Nettonutzfläche von 170 Quadratmetern hinter dem Bahnhof bald aussehen. © Projektbeschrieb «Encourage»
  • Andreas Schwald
  • Aktualisiert am

Projekt «Encourage» macht Furore: Das zukunftstauglichste Haus von Basel wächst am Bahnhof

Ein Haus aus recyceltem Material, das sich mit Energie komplett selbst versorgt: Das ist die Zukunft, und sie findet gerade in Basel statt. Am Bahnhof im Gundeli realisiert das Projekt «Encourage» ein Gebäude, das seine ganze Energie selbst produziert. Eine Pionierarbeit, die schon im Frühjahr 2017 Realität sein soll.

Nur zwei Menschen reichen manchmal, um die fantastischsten Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Sara Schwarz und Lukas Biry sind zwei dieser Menschen: Die Heilpraktikerin und der Kulturmanager fragten sich 2015, wie sich die Mission eines absolut nachhaltigen Bauprojekts und der Traum einer grossen, gemeinschaftlichen Praxis gemeinsam umsetzen liesse. Jetzt, etwas mehr als ein Jahr später, stehen sie kurz vor der Verwirklichung des Vorhabens mit dem Namen «Encourage».

Das progressive Projekt: Ein Gebäude, bei dem alles erneuerbar ist und das aus wiederverwertetem Material besteht. Wie das geht? Man nehme ein Stück Land, in diesem Fall direkt am Bahnhofeingang Gundeldingen, dazu übergrosse ausgediente Schiffscontainer und sämtliche Errungenschaften der modernen Energietechnik. Sechs 40-Fuss-Container bilden den Gebäudekern von «Encourage» und sind zweistöckig aufgebaut. Der Umschwung des Hauses wird mit Permakulturen einheimischer Pflanzen besiedelt und dient als Aufenthaltsort.

Breite Unterstützung – und von IWB schon nominiert

Die Umgebungsgestaltung von «Encourage». ©Projektbeschrieb «Encourage»

Solarpanels stellen die Energieversorgung sicher, die wiederum über neue Energiespeicher bewirtschaftet werden können. Das Wasser kommt vom Himmel und ergänzt über Regenwassertanks die herkömmliche Wasserversorgung – denn ganz ohne die geht es halt immer noch nicht. Dafür sind selbst die Toiletten nachhaltig: es sind Komposttoiletten ohne Abwasserbelastung.

Klingt abenteuerlich, ist es auch ein bisschen, aber völlig im Bereich des Machbaren. Sämtliche Materialien und Technologien seien ja verfügbar und entwickelt, sagt Sara Schwarz im Gespräch mit barfi.ch. Die Finanzierung stellen sie aus dem eigenen Konto, Stiftungsgeldern, öffentlichen Beiträgen und auch per Crowdfunding sicher. Ende Jahr lief die Spendensammlung auf wemakeit.com erfolgreich ab, 33'000 Franken kamen zusammen. «Aktuell sind wir noch in Verhandlungen mit weiteren Unterstützern», sagt Schwarz. Das Crowdfunding mache etwa einen Viertel der gesamten Kosten aus. Wohlwollend unterstützt wird «Encourage» unter anderem auch von der Stadtgärtnerei und den Industriellen Werken Basel (IWB). Letztere haben das Projekt bereits für ihren «KMU Award» nominiert.

Ein Beispiel für das Basel der Zukunft

«Die Umwelt ist uns beiden ein riesiges Anliegen», sagt die Heilpraktikerin Sara Schwarz. Ein wesentlicher Treiber für das Bauprojekt sei auch Lukas Biry gewesen, der von einer Velo-Weltreise die nötigen Ideen für das Containergebäude mitgebracht habe. Das Angebot im Zukunftshaus wird vor allem gesundheitlicher Natur sein. Da werden Kurse angeboten, von Yoga über Pilates bis zu Meditation, Massagen und weiteren Gesundheitsprojekten. Der Ort beim Bahnhof Basel ist ideal: Verkehrstechnisch perfekt erschlossen und in einem belebten Quartier, das bereits über Nachhaltigkeitsprojekte unter anderem im Gundeldingerfeld verfügt.

Darüber hinaus wird es drinnen und draussen Treffpunkte und Möglichkeiten für Veranstaltungen zu Nachhaltigkeitsthemen geben. Denn das Projekt «Encourage» sieht sich nicht als Selbstzweck, sondern will – wie der Name sagt – die Menschen zu ähnlichen, vielleicht noch gewagteren Projekten ermutigen. Und so wird im Gundeli also Realität, was nur zu gerne noch als Hirngespinst grüner Vordenker abgetan wird. Die Macher haben zudem ein zügiges Tempo vorgelegt: Vom Projektstart bis zur geplanten Eröffnung Ende Frühjahr 2017 dauerte es rund anderthalb Jahre.

Wo der Flixbus hält, wird ab Frühjahr 2017 auch ein Pionierprojekt Menschen anlocken: Standort an der Meret Oppenheim-Strasse. ©A.Schwald