Kein Spur von einem Hüsli, einer Bank oder einem Regendach. Bild: Christine Staehelin.
Kein Spur von einem Hüsli, einer Bank oder einem Regendach. Bild: Christine Staehelin.
  • Andy Strässle
  • Aktualisiert am

Trotz Liberalisierung: Basler Regierung lässt Fernbus-Passagiere im Regen stehen

Am hinteren Bahnhofeingang im Gundeli hat es alles: Einen spektakulären Velofriedhof, eine riesige Baustelle und einen gut versteckten Busterminal. 

«Hans, Hans, viillicht mien mer do hindere?» Die schweren Koffer hinter sich herziehend eilt das ältere Ehepaar auf die zurückversetzte Meret Oppenheim-Strasse zu. Am Centralbahnplatz hatten sie zuvor den Busterminal für das Fährtchen nach Frankreich schon vergebens gesucht. Seit der Busmarkt 2013 in Europa liberalisiert worden war, boomen die Fernbusse auch in Basel. Über 2,5 Millionen Reisende lassen sich die Schnäppchen nicht entgehen. Sie fahren für 15 Euro nach Mailand, für etwas mehr nach Lyon, in die Türkei oder nach Kroatien. Schon 2014 waren im Rathaus die Busse und das Fehlen einer Busstation ein Thema. Grossrat Peter Bochsler wollte in einem Anzug wissen, ob in Basel ein Busterminal geplant sei. Schliesslich solle die Stadt doch attraktiv für Anbieter solcher Reisen werden, um als Destination ins Streckennetz aufgenommen werden.

Denn nach wie vor stehen die Reisenden und ihre Koffer fröhlich im Regen. Alleine Flixbus bietet vierzig Städtedestinationen ab Basel an. Der Basler Regierung war schon vor vier Jahren bewusst, dass die «Infrastruktur nicht genügend» sei. An drei Standorten dürfen Busse dreissig Minuten halten, um Passagiere ein- oder aussteigen zu lassen. Die «Station» gegenüber des Badischen Bahnhofs an der Schwarzwaldallee schätzt die Regierung wegen des starken Verkehrs sogar als «gefährlich» für die Reisenden ein. Ein weiterer solcher Halteplatz befindet sich in der Gartenstrasse. Selbstverständlich gibt es auch hier weder eine Signalisation noch ein Dach, unter dem sich der Reisende unterstellen könnte. Schliesslich bleibt noch der Standort Meret Oppenheim-Strasse. Auch hier begrüsst den Reisenden eine Brache. Auch hier prasselt den Regen ungehindert von irgendwelchen Gebäulichkeiten auf die Köpfe der Touristen nieder. Der Schirm ist ja erfunden, scheint sich die Regierung zu sagen. 

Fleissig, wie die Regierung ist, gab sie flugs eine Studie Auftrag. Sie hatte schon vor zwei Jahren erkannt: «Die Infrastruktur genügt allerdings nicht den Anforderungen an ein attraktives, kundenfreundliches Car-Terminal: Den Fahrgästen fehlen geeignete Warteräume oder sanitäre Einrichtungen, die Anzahl Halteplätze ist ungenügend.» Allerdings sei es kompliziert in der Stadt einen Standort zu finden, der allen Anforderungen genügen würde. Nicole Stocker vom Baudepartement erklärt den Stand der Dinge: «Die darin erwähnte Studie soll dieses Jahr starten.»

Nicole Stocker weist ebenfalls daraufhin, dass Basel Tourismus eine detaillierte Karte zu verschiedenen Busstandplätzen hätte, diese definiere Abfahrtsorte und Parkplätze ziemlich genau. Während die Studie unterwegs ist, so fasste die Regierung schon vor zwei Jahren einen Busterminal beim Erdbeergraben ins Auge. Dort parken jetzt schon Busse, aber ob ein Terminal dort sinnvoll ist, bleibt fraglich. In der Zwischenzeit stehen die Busreisenden an der Meret Oppenheimer-Strasse weiter im Regen.

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