Genauso wie die Parkplätze am Berner Bahnhof, könnte es in Basler Quartieren bald aussehen. // Bild: Keystone
Genauso wie die Parkplätze am Berner Bahnhof, könnte es in Basler Quartieren bald aussehen. // Bild: Keystone
  • Nathan Leuenberger
  • Aktualisiert am

Unausgegorener Versuch: Weg mit regulären Parkplätzen, Basel will Platz für E-Fahrzeuge

Unter dem Deckmantel eines sogenannten Pilotprojektes, «testet» Basel-Stadt Ladestationen für E-Autos im öffentlichen Raum. Über Nacht sollen die Elektrofahrzeuge für zunächst mehrere Jahre den Vorzug bekommen. In verschiedenen Wohn-Quartieren werden in den kommenden Wochen Parkplätze für Ladestandorte ganz oder teilweise aufgehoben. Der Kanton gibt vor so für den erwarteten Elektro-Boom vorbereitet sein zu wollen. Auch wenn dieser nach Meinung einer Mehrheit namhafter Experten ausbleiben dürfte. Aber Hauptsache: wieder ein Vorwand um in unserer Stadt weitere der noch bestehenden regulären Parkplätze zu vernichten. 

Drei Gehbehindertenparkplätze, ein Gebührenparkplatz und einiges an Blauer Zone soll im Februar umgemodelt werden. An gleicher Stelle finden sich künftig Parkplätze, ausgerüstet mit Elektro-Ladestationen. Basel will Vorreiter in der kommenden E-Mobilitäts-Revolution sein. Und die stehe definitiv an, meint ausgerechnet auch TCS Basel-Geschäftsführer Lukas Ott: «Wir müssen einfach realistisch sehen, dass die Elektromobilität kommen wird. Das wird zwei, drei Jahre dauern, und dann boomt es.» Von diesem Boom ist bis jetzt jedenfalls noch nichts zu sehen. Im Gegenteil. Die Fakten: Schweizweit wurden 2016 gerade einmal 3'525 Elektrofahrzeuge neu zugelassen – das ist weniger als ein Prozent der im gleichen Zeitraum gesamthaft verkauften Autos. Ein klarer Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen für 2017 stehen noch aus. Aktuellste Daten gibt es jedoch aus Deutschland. Dort wollte der Bund E-Fahrzeuge im eben zu Ende gegangenen Jahr mit über 600 Millionen Euro subventionieren. Abgerufen wurden jedoch gerade 20 Millionen. Selbst die neuste Technik der E-Fahrzeuge macht ökologisch weder bei der Herstellung, noch auf der Strasse viel Sinn, wie die Wissenschaft warnt. Das renommierte Wochenmagazin «der Spiegel», grünem Gedankentum sehr zugetan, widmet dem Thema eine ganze Abhandlung: 

ÖKOBILANZ - DER GROSSE SCHWINDEL MIT DEN ELEKTROAUTOS

"NACH DEM DIESELSKANDAL FORDERN POLITIKER DEN SCHNELLEN UMSTIEG AUF ELEKTROAUTOS. DOCH DIE MODELLE SIND NICHT ALLTAGSTAUGLICH - UND SCHON GAR NICHT UMWELTFREUNDLICH."

In der deutschen Tageszeitung «die Welt» erklärt Daniel Moser, kein geringerer als der Verkehrsexperte der Umweltorganisation Greenpeace:

"ES IST IMMER NOCH SO, DASS ELEKTROMOBILITÄT UNTER KLIMA-GESICHTSPUNKTEN RELATIV WENIG BRINGT."

Trotz wachsender Kritik der Wissenschaftler am E-Antrieben, will die die Basler Regierung ihr teures, unausgegorenes Vorhaben durchpauken: «Die neuen Ladestation-Parkplätze werden in Quartieren entstehen, die nicht immer Zugang zu einer eigenen Garage haben», erklärt Dominik Keller, stellvertretender Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie (AUE). «Und dann ist halt immer auch die Frage was zuerst da war, Huhn oder Ei?» Was er meint sind Ladestation oder Wagen. Doch nur weil man die G80 zu einem Flugplatz erklärt, landen dort garantiert nicht einfach Flugzeuge.

Bis mindestens 2021 soll das Pilotprojekt nun also durchgeführt werden. Dabei werde beobachtet, wie sehr sich Nachfrage und Anzahl an Fahrzeugen entwickeln. Ausschlaggebend für das Projekt sei eine Studie über Elektrofahrzeuge, die vom AUE vor drei Jahren(!) gemeinsam mit IWB, EBL und dem Kanton Basel-Landschaft durchgeführt wurde. Diese zeigte damals: Interesse am E-Mobilitätstrend war vorhanden. «Unser Hauptgrund ist nun, dass man die Infrastruktur zur Verfügung stellen will», so Keller.

Mit den neuen Stationen in Wohnquartieren soll jetzt umgehend auf noch bestehenden Feldern ein geändertes Parkreglement eingeführt werden. Tagsüber darf mit Parkscheibe auf den meisten Plätzen parkiert werden. Wer sein Gefährt auflädt, kann es zwei Stunden, also doppelt so lange wie ein Gefährt mit Verbrennungsmotor stehen lassen. Ab 19 Uhr gehören die Zonen dann jedoch ausschliesslich den Elektrofahrzeugen. Bis um acht Uhr in der Früh darf dann die Batterie mit neuem Strom geladen werden, für alle anderen herrscht striktes Parkverbot. Das dürfte selbst bei Fahrern batteriebetriebener Wagen in der Praxis zu Zwistigkeiten führen: Wer zuerst kommt, lädt zuerst. Jeder der etwas später vor Ort auftaucht, muss sein E-Mobil an einem Ort parken, dieser dürfte mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen Strom-Anschluss haben. Dominik Keller meint, dass das nicht zu oft vorkommen sollte: «Wir haben extra Quartiere gewählt, in denen der Parkdruck nicht all zu hoch ist.» Toll, ein regulärer Platz lässt sich vielleicht noch finden, doch die Batterie bleibt ohne Anschluss und damit leer. Doch ohne frische Energie ist die Wegfahrt am folgenden Morgen allenfalls gerade noch für eine kurze Distanz mit der restlichen Strommenge des letzten Tankhalts über Stunden möglich.

Wie erwähnt unterstützt TCS Basel-Geschäftsführer Lukas Ott die Förderung zwar, sieht bei der damit einhergehenden Verkehrspolitik allerdings dann doch Probleme: «Es ist genau das Problem von Basel, dass mehr Wohnraum zur Verfügung gestellt wird, aber gleichzeitig spart man an Parkplätzen. Es braucht beides, dass es Parkplätze mit Ladestation gibt und genügend normale Parkplätze zur Verfügung gestellt werden.»

Damit wir uns richtig verstehen. Eine Reduktion des CO2-Ausstosses ist nötig, wichtig und gesetzlich zurecht vorgeschrieben. Doch leider, wenn überhaupt jemals, zumindest auf viele Jahre hinaus mit Elektrofahrzeugen völlig unrealistisch. Beispiel gefällig? Produktion, wie Unterhalt des Vorzeigemodells Tesla belastet die Umwelt unbestreitbar deutlich mehr, als ein modernes Dieselfahrzeug. Trotzdem ist dieses keine Lösung. Es braucht dringend Alternativen zu sämtlichen derzeit auf dem Markt serienmässig angebotenen Antriebsarten. Das Vorhaben der Basler Regierung ist nichts mehr als purer Aktionismus.

Bis am 6. Februar liegt das unmögliche Projekt noch öffentlich beim Bau- und Verkehrsdepartement auf. Bis dahin können schriftliche Einsprachen und Anregungen eingereicht werden. Es ist davon auszugehen, dass davon Gebrauch gemacht wird. Die Absicht von Wessels und Co. unter dem Vorwand des (bisher ausbleibenden) Elektrobooms mit ihrer Salamitaktik fortzufahren und wieder kräftig reguläre Parkplätze zu vernichten, ist allzu durchsichtig.

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