Fight The Power. Puño de bronce con pátina de color. Alambre de material según modelo. + Ruina y Turismo. Piedra impresa con láser. 2016 von Eugenio Merino in der adn Galerie
Fight The Power. Puño de bronce con pátina de color. Alambre de material según modelo. + Ruina y Turismo. Piedra impresa con láser. 2016 von Eugenio Merino in der adn Galerie
  • Text und Bilder: Binci Heeb
  • Aktualisiert am

Von Herrschern und Stereotypen: Ein erster Spaziergang durch die Volta 13

Die 13. Ausgabe der Volta findet auch in diesem Jahr in der Basler Markthalle beim Bahnhof SBB statt. Viele der ausgestellten Künstler können und wollen sich den politischen Themen dieser Zeit nicht entziehen, unter anderem auch Rassismus und Homosexualität. Die eine oder andere besonders kontroverse Herrscherfigur darf natürlich nicht fehlen.

Ganz nach dem Motto: «Recycle Art Remix» geht es in der Ethan Cohen Galerie aus New York zu und her, oder einfacher gesagt: Teile der Kunstgeschichte werden hier neu erzählt. Am besten ist dies zu sehen in Jeffrey Spencer Hargrave’s «Déjeuner sur l’herbe». Der 1973 geborene Künstler, ein schwuler Afro-Amerikaner, stellt Schwarze dort in den Zusammenhang mit der Kunstgeschichte, wo sie seiner Einschätzung nach hingehören. Auch in Bouchers «Odalisque» malt er sich und seine weibliche, verletzliche Persönlichkeit.

In seinen manchmal auch ins Karikaturistische gehenden Versuchen, Kunstgeschichte in einen neuen Kontext zu setzen, malte er auch Mao, den ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, als Afro-Mao, oder schwulen Afro–Amerikaner. 

Natürlich darf da auch Donald Trump nicht fehlen. Unter seinem Bildnis schreibt der Künstler: «In an Effort to Appeal to African American Voters Donald Trump Gave a Talk in Harlem in Black Face».

 

Auch die Amerikanerin Anna Navasardian, eine andere von der Galerie vertretene Künstlerin, schaut auf das 18. Jahrhundert zurück und hat Bouchers «l'odalisque» zum Thema. Dass Boucher die verletzliche Seite von Frauen gezeigt hatte, ärgert die Künstlerin, was sie in ihren expressiven Pinselstrichen zum Ausdruck bringt. Sie macht es also umgekehrt wie Jeffrey Spencer Hargrave.

«Ich wechsle gerne zwischen den Medien und wähle, welches gerade passt. Es lag auf der Hand, das an eine holländische Fayence anzuknüpfen», sagt der 1983 in Tuttlingen geborene Sebastian Weggler.  So war es auch für den Stand der Galerie Ten Haaf Projects aus Amsterdam an der Volta 13, wo er ausstellt und welche als Künstler-Wohnzimmer eingerichtet sein sollte. Seine Kachel-Kunst soll die Küchenecke mit Blumenvasen über den Fliesenspiegel bis zu den Tellern darstellen.

Sebastian Weggler in seiner Küche.

 

Wegglers neuester Werkkomplex ist eine Sammlung von Masken. Unter dem Titel «Wilde Männer» setzten sie eine jahrtausendealte Tradition fort. Viele Helden und Schurken, die unsere Phantasie anregen, tragen eine Maske. Man kennt sie auch von der Fasnacht. Die Einflüsse sind hier noch internationaler, afrikanisch, südamerikanisch oder asiatisch.

 

In der Galerie Coates & Scarry sind Porzellanfiguren der australischen Keramik-Künstlerin Penny Byrne ausgestellt. Die Künstlerin kombiniert Porzellanfiguren mit anderen Materialien. Erst beim genauen Hinsehen sieht man Waffen oder Drogen. Die Objekte sind gleichzeitig hoch politisch und wunderschön. Byrne ist bereits seit der Venedig-Biennale 2015 auch in Europa bekannt. «Penny sieht Kunst als Aktivismus», sagt Galerist Richard Scarry. Alle ihre Werke sagen etwas darüber aus, was auf der Welt vor sich geht.

 

Bei «Mother Russia, Uncle Sam» ist sehr gut zu sehen, wie Menschen mit Macht, die hohe politische Ämter bekleiden, mit den «normalen» Menschen spielen. Dass die Figuren als Kinder dargestellt sind, gibt dem ganzen den entscheidenden Dreh.

 

Auch Muammar al-Gaddafi mit seiner Amazonen-Garde, die aus 30 bis 40 Jungfrauen bestand, thematisiert die Künstlerin. Die furchterregende Spezialeinheit erhob gegen den Herrscher später schwere Misshandlungsvorwürfe. Nicht einmal sie selbst waren vor den Gräueltaten dessen sicher, den sie beschützen sollten. 

 

Wir schliessen unseren Rundgang mit der Installation «Migration of Memory» der chinesischen Künstlerin Peng Wei am Stand der Ora-Ora-Galerie. Während dem früher typischerweise chinesische Dichter ihre Gedichte mit Malerei ergänzten, wurde Peng in ihrer Installation von westlicher Literatur und Briefen inspiriert. Genau genommen handelt es sich um Briefe berühmter Komponisten, u.a. Mozart, Mahler etc.

 

In einem Brief an seine Frau schrieb Gustav Mahler im Dezember 1903:

 

Meine geliebte Almschi,

das ist mein letzter Brief von hier. In Wahrheit, fällt es schwer zu glauben, dass Goethe hier geboren wurde.... Heute war die letzte Probe. Alles in allem lief es sehr gut... Wenn wir uns das nächste Mal sehen, werde ich Dir sagen, wie es war. Deine beiden letzten Briefe erreichten mich zur gleichen Zeit... Auf Wiedersehen, meine Liebste. Dein alter Gustl.

Wo die Volta nächstes Jahr stattfinden wird, steht laut Ausstellungs-Direktor Chris De Angelis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest. Wir sind gespannt. 

Volta 13: Vom 12. - 17. Juni in der Markthalle Basel Viaduktstrasse 10.