Fröhliches Fest im Kleinbasel, das Quartier ist zur Eventmeile geworden.
Fröhliches Fest im Kleinbasel, das Quartier ist zur Eventmeile geworden.
  • Andy Strässle
  • Aktualisiert am

Von Klein-Istanbul zum Eventquartier: Angst um Sicherheit im Kleinbasel, Kommission aber beruhigt

Im Sommer geht es im Kleinbasel rund: Menschenmengen zirkeln zwischen Rhein, Rheingasse und Kaserne umher. Für Polizist und Grossrat Felix Wehrli Grund genug, sich um die Sicherheit im Quartier Sorgen zu machen.

Auf dem Claraplatz verkaufen «wilde Verkäufer» auch mitten in der Nacht noch Bier. Und auch die berüchtigten «Kügeli-Dealer» machen Überstunden. Und in der Rheingasse herrscht meist Betrieb bis früh in die Morgenstunden, das «Renée» mitten im Rotlichtviertel liegt bei den Nachtschwärmern im Trend. Bei schönem Wetter ächzen die Bewohner des Rheinbords unter dem Besucheransturm, so dass sich die Anwohner schon seit Jahren vehement gegen Lärm, Abfall und Wildpinklerei in ihren Vorgärten wehren müssen. Und regelmässig ziehen die Kurdendemos durchs Quartier.

Bild: barfi.ch

Der Riehener SVP-Grossrat Felix Wehrli macht sich Sorgen ums Kleinbasel. Der Korporal der Basler Polizei spricht in einer Petition davon, dass sich viele Bewohner des Quartiers «bei Dunkelheit und vermehrt auch tagsüber» nicht mehr auf die Strasse getrauen würden. Die Liste der Vorfälle ist lang: Es gebe Raubüberfälle, Körperverletzungen, Schlägereien, Einbrüche, Entreissdiebstähle, sexuelle Übergriffe, Brandstiftungen, unbewilligte Demonstrationen, Dreck und Lärm im Kleinbasel.

Bei der Anhörung der Petitionskommission sagte der Chef der Sicherheitspolizei, Simon Spoerri, dass die Lage im Kleinbasel in den vergangenen sechs Jahren «stabil» geblieben sei. Auch im minderen Basel sei laut Kriminalstatistik keine Zunahme der Delikte feststellbar. Es sei klar, dass im Sommer das Rheinbord zu einem Brennpunkt werde. Darum habe die Basler Polizei 2014 die Aktion «Ripa Forte» ins Leben gerufen. Den Vorwurf, die Sicherheitspolizisten seien für die Bevölkerung zu wenig sichtbar, da sie nur mit ihren Fahrzeugen unterwegs wären, entkräftet Spoerri dadurch, dass die Polizeipräsenz gestärkt worden sei. Nicht zuletzt habe man 45 neue Stellen schaffen können.

Mehr Besucher als Bewohner

Die Kommission des Parlaments räumte nun zwar ein, dass «die Stadt Basel gemäss den jüngsten Kennzahlen der polizeilichen Kriminalstatistik im Zusammenhang mit Gewalt- und Vermögensstraftaten im nationalen Vergleich sehr hohe Häufigkeitszahlen» aufweise. Dabei sei allerdings klar, dass bei der «Interpretation dieser Zahlen» auch beachtet werden müsse, dass Basel als Stadt einen Knotenpunkt menschlicher Aktivitäten bilde. Darum übersteige die Anzahl der in der Stadt «Anwesenden» häufig die Zahl der offiziell gemeldeten Einwohner, was sich negativ auf die Kriminalität auswirken könne.

Die Petitionskommission selbst verweist auf die Bevölkerungsbefragung von 2015. Diese habe gezeigt, dass sich Stadtbewohner im Vergleich zu vorherigen Befragungen im Alltag etwas weniger sicher fühlen würden. Pikant sei aber, dass sich im Wahlkreis Kleinbasel das Sicherheitsgefühl – auch in der Nacht – nicht verändert habe. Das «Glaibasel» trägt dann die Last des Zentrums einer ganzen Wirtschaftsregion mit über einer Million Menschen. Und so gesehen ist die Sicherheit trotz subjektivem Empfinden immer noch hoch.