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Art 2016: Der Tanz um das goldene Kalb

Bereits heute, am Tag vor der offiziellen Vernissage für das Fussvolk, hatten handverlesene Milliardäre und Kunstsammler im Rahmen des VIP-Programms «First Choice» die Chance auf ihre eigene Shopping Tour in den Messehallen der weltgrössten Kunstmesse. Gesamthaft werden laut dem Versicherer Axa Art Exponate im Gesamtwert von 3 Milliarden Euro zum Verkauf stehen. Doch wer kommt als potentieller Käufer in Frage?

Paul Allen zum Beispiel. Er hat zusammen mit Bill Gates Microsoft gegründet. Sein Vermögen beträgt 17,5 Milliarden. Damit ist er Nummer 51 bei den reichsten Menschen der Welt. Die 47ste Art will noch einen weiteren Milliardär anlocken: Mit sechs Milliarden US-Dollar Privatvermögen und einer Kunstsammlung von 2'000 modernen Werken gilt Eli Broad laut Forbes als der 42-reichste Mensch weltweit. 75 von den hundert bedeutendsten Kuratoren von amerikanischen Sammlungen hätten sich angemeldet, sagte Art-Direktor Marc Spiegler gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg.

Vor allem mit Werken des 84-jährigen Gerhard Richter und Action Painting-Gründer Jackson Pollock sollen die Milliardäre angelockt und begeistert werden. Der deutsche Maler und Bildhauer Richter, von dem mehrere Galerien an der diesjährigen Art Werke anbieten, gilt neben Damien Hirst und Jeff Koons als teuerster noch lebender Künstler. Für satte 20 Millionen will die New Yorker Gagosian-Galerie sein Bild «Prag 1883» an der Art verkaufen.

Die amerikanische Galerie hat 140 Kunstwerke mit einem Wert von über 200 Millionen nach Basel gebracht. Während rund 100'000 Besucher an der Kunstmesse erwartet werden, ist die erwartete Stimmung auf dem Kunstmarkt gedämpfter als auch schon. So gibt es Unsicherheit an den Börsen, etwa wegen des drohenden Austritts von England aus der EU. Sie haben dafür gesorgt, dass anfangs Jahr bei New Yorker Kunstauktionen die Hälfte des gewohnten Umsatzes eingebrochen ist, wie die «European Fine Art Foundation» berichtet hat. Zwar macht das Geschäft in den Galerien mit 53 Prozent mehr als die Hälfte des Kunsthandels aus. Dennoch stammt das vermutlich teuerste Werk an der diesjährigen Art, mit 25 Millionen Jackson Polloks «Number 21», aus einer Auktion bei Christie's, weil es dort im vergangenen Monat nicht verkauft werden konnte.

Number 21. Jackson Pollock. 

«Warum kaufe nicht ich das»

Auch die Werke von Gerhard Richter sind noch immer beim Auktionshaus ausgeschrieben. Gleichzeitig ist Art Basel-Chef Art Spiegler optimistisch, wie er gegenüber Bloomberg sagte: «Wenn man Kunst kauft, geht es um Sinnlichkeit und Leidenschaft, egal wie die sozio-ökonomischen Zusammenhänge sind. Wenn die Sammler ihre Kollegen kaufen sehen, denken sie: Warum kaufe nicht ich das.» 

Die Art Basel ist ein Tanz um das goldene Kalb. Darum sei nicht verschwiegen, dass ein Bild von Jean-Michel Basquiat letzten Monat in New York für 57,3 Millionen Dollar von Christie's erfolgreich unter den Hammer kam. An der Art werden von Basquiat Bilder im Wert von zwischen zwei und drei Millionen zu sehen sein. Nach der exklusiven Vorschau «First Choice» von Dienstag Nachmittag sind die grossen Deals bereits gelaufen. Wenn am Mittwoch die «Preview» für Nichtmilliardäre beginnt, bevor die Messe «offiziell» eröffnet, ist der Tanz um das goldene Kalb schon ausgetanzt.