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  • Christine Staehelin
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Basels Abfallkontrolleure: Im Einsatz für eine saubere Stadt

Illegale Deponien in Parks oder auf Grünflächen, Littering im Sommer auf der Allmend. Seit fünf Jahren sorgen vier Abfallkontrolleure dafür, dass Basel sauber bleibt. Ein Blick hinter die Kulissen eines nicht alltäglichen Jobs, der manchmal sogar gefährlich wird. Und die unglaubliche Geschichte von dreist kopierten Klebern, oder gar gefälschten Bebbisäcken.

«Drohungen, Beschimpfungen und Bestechungsversuche kommen vor», sagt Rolf S.* Er ist einer von vier baselstädtischen Abfallkontrolleuren. Von verbalen Ausrutschern bis zu tätlichen Angriffen hat er schon alles erlebt. «Und dies alles nur wegen etwas Abfall», sagt er kopfschüttelnd. Die vier Abfallkontrolleure achten seit fünf Jahren darauf, dass Basel sauber bleibt. Das scheint auch nötig: Nicht weniger als 319 Bussen mussten im letzten Jahr wegen «wilder Deponien» ausgesprochen werden. Dazu wurden 112 Personen erwischt, die ihren Haushaltabfall in einem der 1'700 städtischen Abfällkübel entsorgte. Und schliesslich überprüfen sie auch Bebbi-Säcke, die zu früh oder zu spät auf die Allmend gestellt werden.

Der Spass ist zu Ende

Den Kontrolleuren sind vor allem die «wilden Deponien» ein Dorn im Auge. Früher entdeckten sie pro Monat bis zu fünfzig «wilde Abfalldeponien» auf der Allmend, in Parks oder auf Grünflächen. Heute seien es noch rund zwanzig. «Es ist halt kein Spass mehr, als Abfallsünder enttarnt zu werden», sagt Max K.*, ebenfalls Abfallkontrolleur. Seinen Hausmüll «wild» zu entsorgen, also ohne Bebbi-Sagg oder Vignette kann teuer werden: Eine solche Busse kostet zweihundert Franken.

Letzte Chance: Die Stadtreinigung verwarnt die Abfallsünder, bevor die Kontrolleure kommen. 

Hilfe von der Polizei 

Im Alltag halten die Abfall-Kontrolleure auf den Basler Strassen Ausschau, nach falsch entsorgtem Müll. Ihr Lastwagen ist klar gekennzeichnet und getragen werden spezielle Dienstkleider. «Dies hilft mir, eine Distanz zu wahren», sagt Rolf S. Zum Beispiel, wenn Drohungen ausgesprochen würden. Vereinzelt käme es auch zu Auseinandersetzungen. Dann rufen die Kontrolleure die Polizei. Auch das Gegenteil komme vor, nämlich dass Gebüsste niederknien und darum bitten würden, die Busse zurückzuziehen. Oft fliessen dabei Tränen. Solche Momente seien unangenehm, sagen die Abfallkontrolleure.

Auch das ist verboten: Ein Plastik- am Bebbisack. 

Beschwerden über «Unzeitige» 

Neben den Bussen für Abfallsünder, die in flagranti ertappt werden, sammeln die Kontrolleure verboten abgestellte Abfallsäcke ein und durchsuchen sie nach Hinweisen auf den Verursacher. Bebbi-Säcke etwa, die zu früh oder zu spät auf die Strasse gestellt werden, nehmen die Kontrolleure gleich mit. Dies sind die sogenannten «Unzeitigen». Vor allem im Sommer häufen sich Beschwerden, wenn die fortgeworfenen Esswaren anfangen zu stinken und Tiere anziehen. Max K. schmunzelt: «Einmal rief uns eine Frau an und beschwerte sich über einen Unzeitigen vor ihrem Haus. Wir untersuchten ihn und es stellte sich heraus, dass der Abfall von ihrer Wohnung kam. Ihr Mann stellte ihn zu früh raus.»

Gefälschte Bebbi-Säcke  

«Priorität haben ganz klar Fälle der illegalen Abfallentsorgung», stellt Rolf S. klar. Rund fünfzig Prozent des Abfalls in öffentlichen Mistkübeln sei Hausmüll. Viele Städter wollen sich das Geld für die Bebbi-Säcke sparen und gehen dabei erfindungsreich vor. «Wir entdeckten sogar gefälschte Bebbi-Säcke», sagt Max K. Dieses Vorgehen sei aber schon «hohe Schule». Es sei auch vorgekommen, dass zwischen alten Zeitungen bei der Papier-Abfuhr Abfälle versteckt worden seien. «Oft werden Sperrgut-Kleber abgerissen, um diese dann auf einen eigenen Abfallsack zu kleben», erklärt der Abfallkontrolleur. «Man sollte immer seinen Namen und die Telefonnummer auf einen Sperrgut-Kleber schreiben», empfiehlt Kollege Max K.. So werde die Hemmschwelle, den Kleber abzureissen, höher.

Sperrgut-Kleber werden abgerissen. 

Gegen das Gesetz

Die Abfallkontrolleure verfolgen nicht primär das Ziel, möglichst viele Bussen auszustellen. Sie möchten vielmehr in der Bevölkerung das Bewusstsein wecken, dass etwa Littering gegen das Gesetz verstösst. So klären sie beispielsweise achtlose Jugendliche auf, die einfach Müll im öffentlichen Raum liegen lassen. Sie erfahren, wie teuer das Wegschmeissen einer Colabüchse werden könne. Rolf S. sagt: «Der Schreck hilft oft, dass die Jugendlichen es dann nicht mehr machen.» Er findet den Dialog mit den Abfallsündern wichtig: «Viele sind dankbar für die Informationen».

Spaziergang mit dem Abfallsack  

Oft reicht es schon, dass die Abfallkontrolleure in der Öffentlichkeit sichtbar sind. Manchmal erleben sie absurde Situationen rund um die Abfallentsorgung, Max K. erzählt: «Wir beobachteten einen Mann, der mit einem schwarzen Abfallsack das Haus verliess». Er entdeckte die Abfallkontrolleure. Sie folgten ihm. «Er drehte mit seinem Abfallsack in der Hand eine Runde um den Häuserblock und kehrte dann samt Abfall wieder ins Haus zurück.»

Nach dem Einsammeln werden die Abfälle nach Hinweisen durchsucht © barfi.ch 

Die Abfallkontrolleure gehen gerne ihrer Arbeit nach, wie sie erklären. Erfolgsgefühle stellen sich dann ein, wenn das Littering sichtbar zurückgehe, wie beispielsweise am Barfüsserplatz. Hier haben die Abfallkontrolleure verstärkt aufgeklärt und falls nötig auch gebüsst. Mit Erfolg, so sagt Rolf S.: «Die Leute machten sich sogar gegenseitig darauf aufmerksam, dass sie den Müll in den Abfallcontainern entsorgen sollen», freut sich Rolf S.. Sicher bleibt eins, je mehr sich das städtische Leben draussen abspielt, desto weniger wird den Abfallkontrolleuren die Arbeit ausgehen.

*Namen der Redaktion bekannt.

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