Ei des Himmelblauen Bläulings (Lysandra bellargus), Schmetterling.  Vergrößerung: 673:1 | © Micronaut 2010, mit freundlicher Unterstützung der School of Life Sciences, FHNW.
Ei des Himmelblauen Bläulings (Lysandra bellargus), Schmetterling. Vergrößerung: 673:1 | © Micronaut 2010, mit freundlicher Unterstützung der School of Life Sciences, FHNW.
  • Christine Staehelin
  • Aktualisiert am

Basler Forscher auf sensationeller Entdeckungsreise in die uns verborgene Nähe

Martin Oeggerli überrascht rund um die Erde mit einzigartigen Aufnahmen von Molekülen, Bakterien, Viren und zum Beispiel auch Milben. Die Fotografien haben dem in Solothurn geborenen und durch  Studium und Forschung in Basel heimisch geworden Biologen zu globalem Erfolg und Ruhm verholfen. Er nimmt barfi.ch mit in eine scheinbar weit entfernte, dabei ständig in und um uns vorhandene, völlig verborgene Welt. 

Begonnen hat alles als Martin Oeggerli seine Diplomarbeit in Molekularbiologie an der Uni Baselschrieb und dafür Aufnahmen mit dem sogenannten Raster-Elektronen-Mikroskop (REM) machte. Der erste grosse Auftrag kam kurz danach von einem bekannten Basler Life Science-Unternehmen. «Ich hatte für den Geschäftsbericht erste kolorierte Bilder mit dem REM-Mikroskop hergestellt», erinnert sich Martin Oeggerli.  Das war der Moment, als es den Biologen den «Ärmeln eingenommen» hatte.

Invasive Tumorzelle Vergrößerung: 23’240:1 | © Micronaut 2010, mit freundlicher Unterstützung der FHNW, Muttenz. 

Das REM ist eine Tonne schwer und steht auf einem luftgepolsterten einem luftgepolsterten Sockel. Das Gerät, das bis zu einer Million Schweizer Franken kostet, erzeugt mit bis zu 20 000 Volt einen Primärelektronenstrahl und scannt damit einen kleinen Ausschnitt. Das schwarzweisse Ergebnis koloriert der Molekularbiologe danach am Computer. Ist das etwas zu kompliziert? «Wichtig ist, dass dieser Vorgang nicht s mit Licht zu tun hat», erklärt Martin Oeggerli. «Ich nenne mich Wissenschaftsfotograf, damit die Leute verstehen, was ich mache. Auch wenn es im klassischen Sinne eigentlich kein fotografischer Vorgang ist.»

Basilikum (Ocimum basilicum). Vergrößerung: 26’500:1| © Micronaut 2015, mit freundlicher Unterstützung der FHNW, Muttenz.

Vorverurteilte Ritter

Die faszinierenden Bilder von Martin Oeggerli zeigen Welten, die dem blossen Auge verborgen sind. Mit grossem Erfolg: 2006 erhielt er zum ersten Mal die Auszeichnung «Bestes Bild der Forschung», in den  Folgejahren häuften sich die Preise. Mehrmals erhielt er die Auszeichnung «Best Scientific Image» der Nature Publishing Group. Ein Projekt, welches im National Geographic Magazine publiziert wurde, sind die Bilder von winzigen Milben.

Brennessel (Urtica) Vergrößerung: 26’500:1 | © Micronaut 2012, mit freundlicher Unterstützung der FHNW, Muttenz.

Ein Projekt, das auch im National Geographic, publiziert wurde, sind die Bilder der Milben. Grauslig? Nein, gar nicht, sondern faszinierend, bestätigt Martin Oeggerli. «Nur 1 bis 5% aller Milben haben Berührungspunkte mit Menschen», erklärt der Wissenschaftsfotograf. Die Milben umfassen 40'000 Arten und sind zu Unrecht vorverurteilt, so der Biologie, der die Milben «cursed knights», also verfluchte Ritter, nennt. Denn wie die mittelalterlichen Helden haben die Milben auch «Waffen» und Werkzeuge. Zum Beispiel seitliche Pinsel, mit denen sie die Zangen putzen können. «Bevor man etwas verurteilt, sollte man sich ein eigenes Bild, eine eigene Meinung bilden», so Martin Oeggerli «Mein grosses Anliegen ist, dass die Leute ihre Vorurteile überdenken. Vielleicht helfen meine Bilder dazu.»

Lavendel (Lavendula angustifolia). Vergrößerung: 26’500:1| © Micronaut 2012, mit Unterstützung von CCINA, Biozentrum, Universität Basel.

Das eigene Blutbild an der Wand

Manchmal ändern die Bilder jedoch viel mehr. Eine Firma wollte ein Pollen-Allergikum entwickeln. Die Herausforderung daran war, dass die Oberflächenstruktur einer im asiatischen Sprachraum weit verbreiteten Polle anscheinend wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht war. Martin Oeggerli wurde angefragt, Bilder der Pollen zu machen. «Dank meiner langjährigen Erfahrung am REM, entdeckte ich, dass die Polle alles andere als eine glatte Oberfläche hat.» Dies führte die Firma schliesslich auf die Spur der stärksten zwei Allergene und ermöglichte die Entwicklung eines Anti-allergikums. «Der Chef der Firma reiste extra nach Basel, um sich bei mir zu bedanken», sagt Martin Oeggerli «nachdem er seine Firma für 35 Mio. Dollar verkaufen konnte».

Fruchtfliegen(Drosophila melanogaster). Vergrößerung: 4’887:1 | © Micronaut 2011, mit freundlicher Unterstützung der FHNW, Muttenz.

Obwohl die Wissenschaft den Wissenschaftsfotografen bei seinen Bildern natürlich eng begleitet, führt er auch Aufträge für Privatpersonen aus. «Schon wenn ich mit der Produktion eines neuen Werkes beginne geht es mir nur darum letztlich grossformatige und einzigartige Einblicke in unsichtbar kleine Welten zu schaffen», sagt Martin Oeggerli. Das Spektrum von Motiven ist gross "und geht sogar soweit, dass ich von Privatpersonen schon gebeten werde aus einem winzigen Tropfen Blut ein Bild der Blutzellen zu kreieren".

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