• Christine Staehelin / Historisches Museum Basel
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Die verborgenen Schätze des Historischen Museums Basel: Basler Puzzles

Barfi.ch nimmt Sie mit in das Historische Museum Basel. Doch zeigen wir nicht die schon ausgestellten Objekte, sondern die verborgenen Schätze des Depots des Museums. Wir begeben uns in den Keller und graben zusammen mit den Kuratorinnen die Schätze aus, die einen Einblick in den früheren Alltag der Baslerinnen und Basler geben. Im zweiten Teil zeigen wir Puzzles aus vergangenen Zeiten: mit Baslerstäben als Puzzleteilen, ungewöhnlichen Motiven und phantasievollen Bildern. 

«Das Rad der Zeit» vom Basler Zahnharzt Dr. Hans Schlosser, 1947. @ Historisches Museum Basel.

Wir sind der Meinung: Das wohl phantasievollste Puzzle stammt aus Basel. Der Basler Zahnarzt Dr. Hans Schlosser-Schmidt (1872-1957) begann etwa im Jahr 1933 mit der Herstellung von Puzzles. Lange Zeit nutzte er Reproduktionen von Kunstwerken, die er auf ein Stück Holz klebte und anschliessend mit der Laubsäge in ein Puzzle zerlegte. Doch etwa zehn Jahre vor seinem Tod schuf er ein unglaublich phantasievolles Puzzle, das den Namen «Das Rad der Zeit» trägt. Dass es von einem Basler oder immerhin einem Basel-Liebhaber stammt, ist offensichtlich: Denn neben dem Vogel Gryff kommen auch ein Baselstab und ein Lällekönig vor. Dazu verfasste er ein Gedicht. 

Louise Widmann fertigte dieses Puzzle an. Eine Besonderheit an diesem Mädchenbild ist, dass die Augen entlang ihrer Begrenzung ausgesägt und nicht durchtrennt wurde. 

Zwar nicht derart poetisch mit Worten, dafür umso mehr mit den Puzzles, war die Baslerin Louise Widmann (1882-1970). Sie lebte an der Friedensgasse. Im beschaulichen Quartier ging sie jedoch nicht den damals üblichen Beschäftigungen nach: Ab 1925 fertigte sie mit der Laubsäge Puzzles an. Es verschaffe ihr «eine Existenz, und mehr noch als dies, ein Stück Lebensinhalt.» Man kannte sie in Basel: Zu ihrem 70. Geburtstag würdigte man sie mit einem Artikel in den Basler Nachrichten. Für sie waren die Puzzles nicht nur ein Zeitvertreib, sie hatte hohe Qualitätsansprüche. Von ihr stammt ein Puzzle aus über 200 Teilen, welches zusammengesetzt das Bildnis eines Mädchens ergibt. Auch ein Puzzle mit einem Abbild des Morgestraichs von Niklaus Stöcklin stammt von ihr.

© Historisches Museum Basel

Der Basler Morgestraich als Puzzle: Das Bild von Niklaus Stöcklin diente Louise Widmann als Vorlage für ein Puzzle mit 254 Einzelteilen. 

Sie stellte nicht die uns heute geläufigen Puzzleteilchen her, sondern eine Formenvielfalt, die aus den Puzzleteilen selbst kleine Kunststücke machte. In den Kartonschachteln, in denen sie die Puzzles verkaufte, befindet sich fast immer ein Stempelaufdruck «Puzzle Louise Widmann Friedensgasse 69 Basel».

Das Bebbi-Herz schlägt höher bei diesem Puzzle, das aus Baslerstab-Teilchen besteht. 

Ein Puzzle, das bestimmt von einem Basler stammt und das Bebbi-Herz erfreut, ist dasjenige einer Postkutschen-Szene. Dabei ist an sich nichts Baslerisches, doch zwei Puzzle-Teile sind in Form eines Baslerstabes

Im 18. Jahrhundert galt die Arlesheimer Ermitage als einer der bekanntesten Landschaftsgärten Europa. 

Nicht nur baslerische Symbole und Begebenheiten, sondern auch die Region wurde in Puzzles verewigt. Beispielsweise war der Kupferstich der Arlesheimer Ermitage von Christian von Mechel aus dem 18. Jahrhundert ein Puzzle.

Dass Basel anders tickt, zeigt sich auch bei den Puzzles. Zwar sind Soldaten- und Militärdarstellungen auf ihnen rar, doch es gibt ein Puzzle mit dem «Tambour des löbl. Basler Stadt-Bataillons» aus dem Jahr 1800. Dieses Puzzle entwickelte sich jedoch zu einem Bild: Denn der stramme Tambour wurde zusammengeklebt und als Wandschmuck verwendet.

Der Verkauf an die Endverbraucher erfolgte dann über «Quincaillerie- und Spielwarenhandlungen«, in Basel zum Beispiel bei Eduard Schneider, Sporrengasse 1579. So wie die selbstgemachten Puzzles aus unserem Alltag verschwanden, ist auch die Sporrengasse nicht mehr da; sie befand sich im Quartier rund um die Eisengasse. 

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Zum Artikel: Die verborgenen Schätze des Historischen Museums Basel: Der Barfüsserplatz

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