Keystone
Keystone
  • Martin Stich
  • | Kommentare
  • Aktualisiert am

E-Bikes in Basel: Viele Verkäufe, viele Unfälle, vieles unklar

Das E-Bike ist eine Erfolgsgeschichte. Immer mehr der motorisierten Velos werden in der Schweiz verkauft. Parallel dazu steigen aber auch die Unfälle. Zum Teil schwer. Und was die Zulassung angeht, ist die Situation sehr diffus.

Das Hauptrisiko ernster Vorfälle ist schnell ausgemacht. Ein E-Bike, das anderen Verkehrsteilnehmer entgegenkommt, ist von diesen nicht von einem normalen Velo zu unterscheiden. Selbst die raschen Varianten mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 45 Stundenkilometern sind nicht als solche zu erkennen. Zwar tragen sie ein gelbes Kennzeichen, doch das wird hinten montiert. Von vorne sehen das weder Fussgänger, noch andere Radfahrer, oder Automobilisten. Eine äusserst gefährliche Angelegenheit, denn im letzten Jahr wurden schweizweit über 66'300 E-Bikes verkauft. Das ist gegenüber 2014 eine Zunahme von über 15%, teilt Velosuisse mit. Und entsprechend stark nehmen auch die Unfälle zu. Basel ist da, wie die Statistik zeigt, keine Ausnahme, die erfassten Unfälle sind beängstigender Natur. Der Touring Club Schweiz (TCS) Sektion beider Basel kennt auf Anfrage von barfi.ch das Problem: "Die Tendenz, dass die Unfälle mit E-Bikes steigen, können wir bestätigen. Das ist zuächst auch nicht weiter erstaunlich, da immer mehr E-Bikes verkauft werden" schreibt Geschäftsführer Lukas Ott. Das Grundproblem ist die Haupteigenschaft eines E-Bikes: "Autofahrer unterschätzen die Geschwindigkeit der E-Bikes, besonders bei der 40 km/h-Variante. Umgekehrt überschätzen sich aber auch E-Bike-Fahrer, die neu umgestiegen sind, da man doch andere Geschwindigkeitsregionen erreicht und entsprechend konzentrierter fahren muss". Diese Beobachtung bestätigt auch der Verkehrs-Club der Schweiz VSC, Sektion beider Basel und weist dabei darauf hin, dass auch Velofahrer oft von E-Bikes schnell und überraschend überholt werden.

Verschiedene Arten von E-Bikes und die kaum erkennbaren grossen Unterschiede

Laut dem Bundesamt für Strassen gibt es zwei Typen von E-Bikes: Die ohne gelbes Kontrollschild gelten laut Kategorie als Leicht-Motorfahrräder und erreichen ohne Tretunterstützung (Motor) höchstens 20 km/h. Mit Motor sind maximal 25 km/h möglich. Für diese braucht es keinen Fahrausweis oder Helm. Die anderen laufen unter der Kategorie Motorfahrrädern. Dafür ist eine Typenprüfung nötig (sollte beim Kauf abgeklärt werden) und setzt ein gelbes Kontrollschild und die Führerprüfung der Kategorie M voraus. Je nach Grösse des Elektromotors ist kein Helm erforderlich. Die Höchstgeschwindigkeit ohne Tretunterstützung liegt bei 30 km/h, mit Tretunterstützung bei maximal 45 km/h.

Probleme im Basler Strassenverkehr

Dass die Situation der E-Bikes nicht einfach ist, bestätigt, dass vor zweieinhalb Jahren das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) ein Fahrverbot in der Innenstadt für E-Bikes verkündet und nur einen Tag später diesen Entscheid wieder rückgängig gemacht hat. Einer der typischen unausgegorenen Dürr-Schnellschüsse. Dies wurde damit begründet, dass die Kantonspolizei Basel-Stadt der geltenden Signalisationsverordnung des Bundes Rechnung trage. Grundsätzlich ist es so, dass beide Typen von E-Bikes  Velowege benutzen dürfen. Beim bis zu 45 km/h schnellen Modell muss jedoch der Motor ausgeschaltet sein. Ein Witz, denn in der Praxis ist dies schlicht und einfach nicht kontrollierbar. Dieses Verbot gilt übriges auch, wenn ein Fahrverbot für Motorfahrräder angezeigt wird, sonst gibt es in beiden Fällen eine Busse, bestätigt das JSD. Die Auflagen muss man aber als E-Bikefahrer auch erstmal mehrere Male nachlesen, um zu begreifen, wie genau die Regelung gemeint ist. Das selbe gilt für die Polizisten. 

Forderung des VCS Sektion beider Basel

Das Hauptproblem sieht die Geschäftsführerin des VCS Sektion beider Basel, Stephanie Fuchs, bei gemischten Fussgänger-/Veloflächen, wo vor allem "normale" Velos unterwegs sind. "Die verschiedenen Velotempi verlangen nach breiteren Velowegen (überholen) oder stellenweise auch nach E-Bikes im Mischverkehr mit dem motorisierten Individualverkehr. Da ist die Problematik aber die Pflicht des Velos, am rechten Rand zu fahren, obwohl ein schnelles E-Bike über 45km/h fährt". Deshalb ist für den VCS klar, dass gehandelt werden muss, so Fuchs. "Der rechtlichen Problematik etc. nimmt sich der Gesamtverband VCS Schweiz an, das können wir schlecht aus den 23 Sektionen heraus machen".

Im Zusammenhang mit den gestiegenen Unfallzahlen biete der TCS Sektion beider Basel übrigens wieder vermehrt Kurse an. Auch bei Pro Velo beider Basel unternimmt man einen neuen Anlauf, solche Kurse wieder ins Programm zu nehmen, bestätigt Geschäftsführer Roland Chrétien gegenüber barfi.ch. Dies nachdem im ersten Anlauf zu wenig Interesse bestanden hat. Bleibt noch anzumerken: E-Bikes mit doppelter Geschwindigkeit dürfen auf die Velowege, kleinen Rollern mit halber Geschwindigkeit bleibt hingegen nur die Strasse und dort - so die behördliche Vorgabe - haben sie die Mitte zu benutzen. Damit das Überholen den Autos entsprechend schwer fällt. So etwas weiss man, spricht aber nicht darüber und hofft auf die normative Kraft des Faktischen. Es werden Gewohnheiten geschaffen, die eigentlich kein vernünftiger Mensch will. Aber von diesen gibt es offenbar diametral weniger, als bei der Zunahme von E-Bikeboliden und den von Ihnen verursachten Gefahren an Leib und Leben.