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Geburtstagskerzli: Basel im noch jungen Juli: Acht Tage, zehn Gewaltdelikte

Zwischen dem 4. und dem 11. Juli haben sich in Basel zehn Gewaltdelikte ereignet, die öffentlich bekannt geworden sind. Mehrere der Opfer mussten ins Spital. Das Justiz- und Sicherheitsdepartements stellt auf Anfrage «keine ausserordentliche Häufung solcher Taten fest».

Hohes Mass an Brutalität

In Basel-Stadt ist es in den letzten Tagen zu mehreren Gewaltdelikten gekommen, über die in den Medien berichtet wurde. Gemeinsam ist ihnen allen ein hohes Mass an Brutalität. Die erschreckende Liste:

Montag, 4. Juli, 14.15:  Eine Sexarbeiterin wurde in einer Wohnung an der Steinentorstrasse bei einem  Raubversuch verletzt. Der Täter schlug mit den Fäusten auf sie ein, wurde dann aber glücklicherweise von den Kolleginnen der Frau vertrieben. Er floh in unbekannte Richtung. Das Opfer wurde danach in die Notfallstation eingeliefert. Die Frau beschreibt den Angreifer als einen Mann aus Südamerika. Nach dem Mann wird gefahndet.

Dienstag, 5. Juli,21.45 Uhr: Mehrere Leute werden an der Tramstation Wettsteinplatz von einem Mann aggressiv um Zigaretten angegangen. Als er einen 22-jährigen Mann und seinen Begleiter auf diese Art anspricht, kommt es zu einem Streit. Dabei zieht der Schnorrer plötzlich ein Messer und verletzt den 22-jährigen im Gesicht. Er habe französisch gesprochen, sei von brauner Hautfarbe und schlanker Statur gewesen. Nach dem Mann wird gefahndet.

Mittwoch, 6. Juli, 15.15 Uhr: Drei Männer dringen an der Webergasse in ein Tattoo-Studio ein, kurz darauf gibt es Ärger. Dabei kommen ein Stock und Pfefferspray zum Einsatz. Danach verlassen die Männer das Lokal. Der Betreiber folgt ihnen mit einer Schrotflinte und schiesst einem der Männer in den Rücken. Alle Beteiligten, sie sind Schweizer, werden festgenommen.

Freitag, 8. Juli, zwischen 18 und 19 Uhr: Ein Mann wird in seiner eigenen Wohnung an der Klybeckstrasse von zwei Männern überfallen. Die Täter haben Schusswaffen dabei und verlangen Geld. Das Opfer händigt ihnen mehrere hundert Franken aus. Bei den Tätern handle es sich um zwei Männer zwischen 20 und 25 Jahren, das Opfer sagte aus, dass es sich um Osteuropäer handle. Nach den Tätern wird gefahndet.

Freitag, 8. Juli, 21 Uhr: Gewalttätige Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen an der Klybeckstrasse, die vorher offenbar bereits in der Nähe der Kaserne begonnen hatte. Dabei wurden Leute zu Boden geschlagen und getreten. Kurz darauf verhaftete die Polizei einen Brasilianer, einen Tunesier und einen Schweizer mit Migrationshintergrund. Die Hintergründe der Gewalttat sind bis jetzt nicht bekannt.

Samstag, 9. Juli, 4 Uhr: Ein Mann wird im Schützenmattpark überfallen und beraubt, dabei wird er verletzt. Die beiden unbekannten Täter wurden vom Opfer als Männer mit südländischem Aussehen beschrieben. Nach den Männern wird gefahndet.

Samstag, 9. Juli, 7.15 Uhr: Ein Passant findet an der Feldbergstrasse einen blutenden Mann. Die Polizei weist den Verletzten in die Notfallstation ein. Knapp anderthalb Stunden vorher sei das Opfer Ecke Klybeckstrasse/Feldbergstrasse in eine gewalttätige Auseinandersetzung mit einem dunkelhäutigen Mann geraten, in deren Verlauf Pfefferspray eingesetzt worden sei. Dem Opfer sei eine Halskette gestohlen worden. Die Polizei kann keine Angaben zum Täter machen und sucht Zeugen.

Samstag, 9. Juli, 23.15: Ein Mann wird vor dem Haupteingang des Bahnhof SBB von zwei Männern angegriffen. Er wurde geschlagen und getreten und musste mit schweren Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden. Kurz darauf konnte die Polizei die Täter festnehmen: Einen Rumänen und einen Spanier.

Sonntag, 10 Juli, 1.45 Uhr: Zwei Männer standen vor dem Restaurant Stöckli am Barfüsserplatz. Plötzlich wurden sie von vier jungen Männern mit Steinen beworfen, die diese von der Baustelle genommen hätten. Als die beiden Männer die vier Angreifer zur Rede stellen wollten, wurden sie angegriffen, einem von ihnen wurde ein Bierglas an den Kopf geschlagen. Er musste ins Spital gebracht werden. Gefahndet wird nach vier jungen Männern, die Baseldeutsch sprachen.

Montag, 11. Juli, 23.55 Uhr: Ein Velofahrer wurde am Unteren Rheinweg von zwei Männern angehalten und mit einem Messer bedroht. Er setzt sich zur Wehr. Einer der Täter wurde kurz darauf gefasst, er ist Marokkaner. Nach dem anderen Mann, er sprach Arabisch, wird noch gefahndet.

Stellungnahme aus dem Sicherheitsdepartement

Wir von der barfi.ch-Redaktion haben den Eindruck, dass zehn solche Taten in acht Tagen für Basler Verhältnisse eine erschreckende Zahl darstellen. Deshalb haben wir bei der Medienstelle des Justiz- und Sicherheitsdepartements nachgefragt. Zudem wollten wir wissen, wie man sich verhalten solle, wenn man angegriffen wird. Der Mediensprecher Andreas Knuchel hat uns per Mail folgende freundliche Antwort zukommen lassen: «Die von Ihnen erwähnten Fälle in den vergangenen Tagen stellen keine ausserordentliche Zunahme solcher Taten dar. Es gibt bei den meisten Delikten immer gewisse Schwankungen. Wenn man von einem Überfall betroffen sein sollte, gilt es, Ruhe zu bewahren, den Anweisungen der Täterschaft Folge zu leisten und sich so nicht selber in eine zusätzliche Gefahr zu bringen. Umgehend nach der Tat soll die Polizei über den Notruf 117 verständigt werden. Möglichst detaillierte Informationen (Standort, Signalement der Täterschaft etc) sind hier sehr wichtig. Passanten, welche eine solche Situation beobachten, sollten möglichst nicht eingreifen – dies ebenfalls, um sich nicht selbst zu gefährden. Beobachtungen zu Fluchtrichtung der Täterschaft etc sind auch bei diesen Meldungen sehr wichtig.»

Wir sind nicht erstaunt

Wir sind über diese Antwort nicht erstaunt, sind sogar überzeugt, dass es in Sachen Gewalt zu Basel zudem eine recht hohe Dunkelziffer gibt. Es darf doch nicht sein, dass wir nun nachts einfach nicht mehr auf die Strasse gehen, einen intensiven Selbstverteidigungskurs buchen oder uns sonst irgendwie aufrüsten sollen? Schliesslich spricht die Polizei ja ernsthaft von: «keiner ausserordentlichen Häufung solcher Taten».