• Andreas Schwald
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Grabung im Stadtcasino: Indiana Jones und die Knochen der Mönche

Baulärm statt kunstvolle Musik, Archäologen statt bemantelte Konzertgänger: Im Stadtcasino Basel sind die Bagger aufgefahren. Die Kantonsarchäologen hoffen darauf, einen verschollenen Friedhof aus dem Mittelalter zu finden.

Die hohen Hallen sind gespenstisch leer. Wo sich bis vor Kurzem noch Streicher und Perkussionisten feinen Kammerkonzerten hingaben, haben jetzt die Baumaschinen die akustische Führung übernommen. Im Stadtcasino herrscht Baustellenromantik, ob es dem Geist von Hans Huber passt oder nicht.

Konkret spielen sich im eingerüsteten Konzerthaus derzeit Grabungsarbeiten der archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt ab. Die Kantonsarchäologen haben auch ein klares Ziel: Sie suchen nach den Kreuzgängen der beiden Basler Barfüsserkirchen.

Genau, beider Barfüsserkirchen: Denn bei der heutigen Kirche, die mittlerweile das Historische Museum Basel beheimatet, sprechen die Archäologen von der «Barfüsserkirche 2». Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und ersetzte damals den Vorgängerbau «Barfüsserkirche 1» aus dem 13. Jahrhundert, wie Grabungsleiter Marco Bernasconi von der archäologischen Bodenforschung sagt.

Bestenfalls Schädel- und Knochenfunde unter dem Musiksaal

«Beim Orden der Barfüsser-Mönche handelte es sich um den ersten Bettelorden, der innerhalb der Basler Stadtmauern ansässig sein durfte», so Bernasconi. Und genau diese Bettelmönche errichteten damals zwischen dem heutigen Stadtcasino und dem Barfi ihre Anlagen, nach denen jetzt gegraben wird.

Genau zwischen der alten Stadtmauer und der Barfüsserkirche sollen sich die Kreuzgänge der Barfüssermönche befunden haben.

Und was erhoffen sich die Archäologen zu finden? «In den Kreuzgängen rechnen wir mit allfälligen Spuren von Bestattungen», sagt Bernasconi. Also mit Überbleibseln von jenem Mönchsfriedhof, auf dem das Stadtcasino erbaut wurde. Das umfasst auch die Schädel und Gebeine der mittelalterlichen Ordensbrüder.

Darüber hinaus könnten im Boden des Stadtcasinos durchaus noch Siedlungsreste aus dem 11. und 12. Jahrhundert nach Christus enthalten sein. Vielleicht stossen die Forscher auch noch auf römische und keltische Überreste. Das sei allerdings noch reine Theorie, sagt Archäologe Bernasconi, und werde sich erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Die Platzverhältnisse sind luxuriös

Die Grabungen dauern nämlich noch bis im Herbst 2017. Zuerst sind die Archäologen im Musiksaal zugange, dann geht es in Garderobe, Foyer und Annexbau. Gleichzeitig finden auch weitere Bauarbeiten statt, «wir arbeiten Hand in Hand mit allen Beteiligten», so Bernasconi.

Für die Archäologen speziell ist, dass sie in der Innenstadt endlich einmal auf einer grösseren Fläche arbeiten dürfen. Normalerweise seien die Grabungsplätze viel kleiner und wegen der engen Bebauung weniger luxuriös, sagt der Grabungsleiter.

Wandgemälde vor dem Eingang zum Musiksaal und Foyer.

Im Stadtcasino können sich die Forscher also wörtlich in ihre Arbeit vertiefen. Im Ratschlag der Basler Regierung sind dafür 1,5 Millionen Franken budgetiert, wovon die Casino-Gesellschaft 100’000 Franken mitträgt. «Das muss ausreichen», sagt Bernasconi. Aus Sicht des Grabungsleiters handle es sich um eine Grabung mit «überschaubaren Mitteln».

Die Archäologen dürften damit jedenfalls ausreichend Stoff für neue Legenden um das Stadtcasino zu Tage fördern. Denn welcher Neubau von Herzog & de Meuron kann schon mit Fug und Recht von sich behaupten, auf einem ehemaligen Mönchsfriedhof erbaut worden zu sein?

Dass es dabei nicht wie in einem Roman von Stephen King zu Wahnsinn, Mord und Totschlag kommen wird, darüber sollte der Geist des Hausheiligen Hans Huber wachen: Schliesslich wird der Kammermusik-Saal, der dem Komponisten und Musiker zu Ehren benannt worden war, nicht nur erhalten, sondern auch liebevoll und in aller Würde saniert. Die wohlfeilen Klänge sollten dann schliesslich reichen, um mindestens ein paar der Kunstsinnigen unter den ruhelosen Geistern zu besänftigen.

Hans Huber-Saal

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