Einfach abstellen und weg ist das E-Bike: Die teuren Zweiräder sind in Basel beliebte Beute. ©Keystone
Einfach abstellen und weg ist das E-Bike: Die teuren Zweiräder sind in Basel beliebte Beute. ©Keystone
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Heisse Ware E-Bike: Die Velodiebe haben in Basel ein neues Ziel

Die Zahl der E-Bike-Diebstähle nimmt zu. Auch in Basel wird festgestellt, dass die potenten Räder gestohlen und dann wiederverkauft werden. Ein Basler Fall zeigt die Distanz, die so ein Hehler-E-Bike zurücklegen kann – und illustriert damit einen neuen Trend unter den Kriminellen.

Martin* staunte nicht schlecht. Vor einiger Zeit hatte er sein potentes E-Bike als gestohlen gemeldet, da erhielt er eine Meldung: Das Fahrzeug sei aufgefunden worden, aber nicht etwa in einem Strassengraben, sondern in Norddeutschland. Jemand hatte es dort gekauft, wurde allerdings stutzig und liess die Rahmennummer überprüfen. So stellte sich heraus, dass der Kunde Martins gestohlenes E-Bike erstanden hatte. Hehlerware, ganz heiss.

Tatsächlich ist die Diebstahl-Masche beliebt in Basel. Die Staatsanwaltschaft stellt fest: «Hochwertige Velos und E-Bikes werden immer wieder ins Ausland verschoben und dann verkauft», wie deren Sprecher Peter Gill sagt. Dabei ist Velodieb nicht gleich Velodieb: «Es muss allerdings unterschieden werden zwischen Entwendung zum Gebrauch und Diebstahl.» 

Diebstahltouren im grossen Stil

Im letzteren Fall allerdings sind auch Diebstahltouren im grossen Stil bekannt. Modische Edelräder, Rennvelos und natürlich die teuren E-Bikes sind ein beliebtes Ziel der Diebe. Mit der zunehmenden Zahl komfortabler elektrisch betriebener Velos haben auch die Diebstähle zugenommen. In Zürich werden laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» immer mehr E-Bike-Diebstähle gemeldet und dafür immer weniger konventionelle Velodiebstähle. Ähnliche Zahlen kann die Staaatsanwaltschaft Basel-Stadt nicht kommunizieren, das wird erst mit der Kriminalstatistik eröffnet.

Martins Fall hingegen ist damit das neue Normal. Denn E-Bikes stehen genau so draussen herum wie viele Velos – und sie sind leichter einzusacken als Motorräder. Gerade in Quartieren ist es ziemlich einfach, ein Zweirad mitlaufen zu lassen. Oder mehrere, wenn man einen Bus für die Diebestour dabei hat. Da nützen teils nicht mal massive Schlösser etwas, denn die werden später einfach in einer Werkstatt aufgeschweisst oder schon vor Ort mit schwerem Gerät aufgebrochen.

Je teurer, desto einschliessen

Die Polizei gibt für die Sicherung der edlen Räder auf ihrer Website Tipps ab. Mitunter empfiehlt sie, immer Rahmen und Rad gleichzeitig zu sichern, hochwertige Schlösser zu verwenden und die Velos auf den dafür vorgesehenen Plätzen abzustellen. Insbesondere über Nacht sollen die Velos drinnen gelagert werden – abgeschlossen.

Zudem gibt es den so genannten Velopass, der auf jedem Polizeiposten erhältlich ist. Das Velo sollte unbedingt registriert und versichert werden, letzteres läuft in der Regel unter der Hausratsversicherung. Zudem würden auch GPS-Tracker ihren Dienst tun, so lange sie unentdeckt bleiben und am Velo angebracht sind. Das gilt auch für E-Bikes, denn die teure Ware ist viel mehr wert als das alte rostige Lieblingsstück, das höchstens noch zum Eigengebrauch entwendet wird. Martin hatte Glück – auch wenn er dafür nach Norddeutschland fahren musste, um das Bike abzuholen. Viele weitere achtlos abgestellte Velos sind im grenznahen Raum schlicht spurlos verschwunden. Und nicht jeder Käufer heisser Ware wird gleich so misstrauisch wie jener Deutsche, der das Basler Velo im ordentlichen Wiederverkauf erworben hatte.

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*Name der Redaktion bekannt.

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