Roboter Alfred weiss, wo die Apotheke ist und soll den HB Zürich gescheiter machen. Screenshot: SBB
Roboter Alfred weiss, wo die Apotheke ist und soll den HB Zürich gescheiter machen. Screenshot: SBB
  • Andy Strässle
  • Aktualisiert am

Jasmintee und Roboter: Zürcher Hauptbahnhof wird gescheiter, der Baslerische bleibt dumm

Der Zürcher Hauptbahnhof wird «smart». Dank Alfred dem Chatbot und Roboter Mario, der an des Baslers liebster Pendlerdestination Chips und Cola liefert. Der Basler Bahnhof dagegen bleibt weiter dumm, aber immerhin rauchfrei.

Keine Ahnung, wo die Apotheke ist? Kein Problem, es ist der Hauptbahnhof Züri, der dir gleich selbst die Antwort gibt. Genaugenommen ist es nicht der Hauptbahnhof selbst, sondern Alfred, der Chatbot. Der ist vielleicht nicht ganz so sexy, wie Apples Siri, die sich uns auf ätherische Art immer wieder zu entziehen vermag, aber googeln kann Alfred so gut wie Siri. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben grosse Pläne am HB. Der Bahnhof soll zum gescheitesten und «digitalsten» Bahnhof Europas werden. In Basel dagegen reicht es gerade einmal für einen Versuch mit einem flächendeckenden Rauchverbot.

«Anflug von Pioniergeist»

In Zürich erweitern die SBB die Realität des Bahnhofs. Das Zauberwort dazu heisst «Augmented Reality» und dabei sollen sich dem Pendler «Märchenwelten öffnen» und den Kindern eine virtuelle «Naturwelt mit Tieren» geboten werden. Der Leiter Bewirtschaftung und Immobilien der SBB, Markus Streckeisen, spricht von einem «Anflug von Pioniergeist» und davon, dass der Züricher Hauptbahnhof in den nächsten Jahren zum «digitalsten, persönlichsten Verkehrsknotenpunkt der Welt» werden solle.

Quiz und Snacks

Ob der Test eines weiteren Roboters als «persönlich» durchgeht, bleibt unklar. Dieser heisst originellerweise Mario. Mit ihm könne man flotte Quiz-Spielchen spielen, oder bei ihm einen Snack oder ein Getränk kaufen, welche er dann heranrollt. Der Pioniergeist kennt keine Grenzen: So liest man ganz aufgeregt vom Geschichtenautomat, der auf Knopfdruck eine Kurzgeschichte ausspuckt. Auch dieser soll «Freude» verbreiten. 2016 hatte der Bahnhof Zürich zu Weihnachten den grössten LED-Kronleuchter Europas. Dieser kommt nun als «interaktiver Kronleuchter» zurück. An einem Bildschirm können die Reisenden voreingestellte Lichteffekte aussuchen und somit für «Überraschungen» sorgen.

Schnitzeljagd und Putzroboter

Ein Schelm, wer nun denkt, der Kreativität der Bahnverantwortlichen seien Grenzen gesetzt. Natürlich musste auch noch ein Foxtrail her. Mit einer «Indoor-Schnitzeljagd» soll den Bahnhofkunden ein neues «Bahnhofserlebnis» geboten werden. Auch damit nicht genug: Um so richtig «digitalisert» zu sein, braucht es natürlich noch mehr: Saubere Bahnhöfe seien sichere Bahnhöfe und darum seinen in Zukunft Reinigungsroboter «sauber unterwegs». Die Mitarbeitenden vom Reinigungsdienst dürfte ihre schrittweise Abschaffung wohl etwas weniger freuen und ob ein menschenleerer Bahnhof ein sicherer Bahnhof ist, erscheint auch fraglich. 

Kommerz total

«Digital und persönlich» heisst für die SBB vor allem geschäftstüchtig. Trotz unzähliger Bretzel-, Wurst- und Bierstände im Zürcher HB wird das Ganze jetzt noch auf dem Internet angeboten. Auch die Push-Nachrichten, die über die zwei für drei Jasmin-Tee-Aktion im Untergeschoss informieren, sind nicht gerade bahnbrechend. Besonders innovativ erscheint der Smartbahnhof also nicht. Auch wenn man Roboter schon lustig finden kann und ein Kurzgeschichtenautomat zumindest nicht viel Platz wegnimmt, bleibt die Frage, ob es an den Schweizer Bahnhöfen wirklich noch mehr Kommerz braucht.

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