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  • Andy Strässle
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Nacht in der Stadt: Ein Drittel der Basler fühlt sich unsicher

Unglaublich aber Fakt: In Zürich fühlt sich die Hälfte der Stadtbewohner nach Einbruch der Dunkelheit zu unsicher. Sogar zu unsicher, um in der Nacht das Haus zu verlassen. In der Limmatstadt gibt es richtige «No Go-Areas». Dem ist in Basel nicht so. Doch viel besser ist es nicht. Auch hier fühlt sich jeder Dritte zu unsicher auf unseren Strassen, wenn es dunkel wird. Beunruhigende Zahlen.

Wenn es dunkel wird rund um den Pavillion der Elisabethenanlage kann es schon etwas unheimlich werden. Auch im Winter versammeln sich hier Jugendliche. Oft Feierwütige vom Land, aber auch die Bahnhofsszene trifft sich hier trotz klirrender Kälte gerne, um etwas abzuhängen. Kein Wunder, das Tageshaus für Obdachlose ist gleich an der Nauenstrasse nebenan und das mehr oder weniger billige Bier gibt es ja beim Coop am Bahnhof. Trotz der manchmal finsteren Zusammenrottungen sowie dem einen oder anderen Dealer, der mit hochgezogener Kapuze und Zigarette hier Pause macht, ist der schmucke Park überhaupt keine «No Go-Area». Denn nur ein paar Meter weiter im Restaurant «Zum Kuss» geniessen die «Schönen und Reichen» unbeschwert ihren Apéro. Sie packen höchstens den Griff ihres Aktenkoffers etwas fester, wenn sie, finstere Gestalten ignorierend, sich auf den Weg zum Bahnhof machen.

Martin Schütz, Mediensprecher der Basler Polizei hält fest, dass es in Basel im Gegensatz zu Zürich, auch in der Nacht keine eigentlichen «No-Go Areas» gebe. Er sagt: «Allerdings gibt es Örtlichkeiten, an denen die Polizei regelmässig intervenieren muss: beispielsweise auf der Achse Bahnhof – Elisabethenstrasse – Barfüsserplatz oder im Kleinbasel. Der Grund sind in der Regel die weniger schönen Seiten unserer Ausgeh- und Freizeitgesellschaft: Streitereien, Tätlichkeiten oder Lärm beispielsweise, wobei oft Alkohol im Spiel ist.» 

Unschöne Seiten der «Ausgehgesellschaft»

In der Limmatstadt ergab eine aktuelle Bevölkerungsumfrage der Stadtpolizei, dass jeder fünfte Zürcher nachts bestimmte Orte meidet, oder sich erst gar nicht alleine auf den Weg macht. Die Vergnügungsmeile Langstrasse im Kreis Cheib, an der es längst nicht mehr nur Rotlicht gibt, sondern schicke Bars und Clubs für die Feierwütigen erachten viele Zürcher als zu gefährlich. Überhaupt wird der Kreis vier als gefährlich eingestuft. Auch Parkhäuser und gewisse Parks gelten laut der repräsentativen Demoscope Umfrage für eine beträchtliche Zahl von Zürchern in der Nacht als zu gefährlich. Auch die Bahnhöfe schneiden nicht sehr gut ab. Immerhin fünf Prozent finden diese gefährlich. Ob die Basler wirklich tapferer sind, ist schwer zu sagen. Aber laut der aktuellsten Bevölkerungsbefragung vom letzten Jahr fühlten sich rund 92,2 Prozent der Befragten in Basel «sehr sicher» oder «eher sicher». Nachts im Quartier fühlen sich die Bebbi etwas weniger sicher, als bei der letzten Befragung 2011. Das sind nur gerade 1,1 Prozent. Auch in der Nacht geben immerhin noch 62,4 Prozent der Bevölkerung an, sich sicher zu fühlen.

Einsatzelement «Brennpunkte»

Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat eine klare Strategie. Martin Schütz: «Mit ihrem inzwischen voll ausgebauten Einsatzelement Brennpunkte ist die Kantonspolizei Basel-Stadt deshalb gerade an solchen «Hot-Spots» in der Innenstadt und in den Quartieren nachts und an den Wochenenden verstärkt präsent. Ihr Augenmerk während der Patrouillentätigkeit richtet die Kantonspolizei selbstredend auch auf die Parkanlagen im Kantonsgebiet.» Der strenge Blick ist nötig. Vor allem der Schützenmattpark bei Nacht ist bei wärmeren Temperaturen ein regelmässiger Ort von Überfällen und Gewalt. Wie die Basler stellen auch die Zürcher ihrer Polizei ein gutes Zeugnis aus. Die grösste Schweizer Stadt bewilligt ihren Sicherheitsbehörden sogar mehr Spielzeug wie Bodycams auf Mann und zusätzliche Videoüberwachung. Anders als das Basler Sicherheitsdepartement, man fühlt sie sich wegen Kameras an der Uniform nicht sicherer und warten mit dem Aufrüsten zu.

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