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Rein in den Rhein: Heute ist grosse Ryybutzete

Pünktlich um acht Uhr heute Morgen war an den beiden Rheinufern Beginn der 10. "Ryybutzete". Über 200 Helfer tragen im und am Wasser dazu bei, dass der Rhein wieder ein grosses Stück sauberer wird. Dass dabei nicht nur der üblichen Müll der ungezogenen Sommergäste des Affenfelsens "auftaucht", sondern auch zahlreiche kuriose, teils unerklärbare Objekte, geborgen werden, macht die Sache nicht weniger ernst, aber führt immer wieder auch zum Schmunzeln.

In aller Früh ging's heute also los. Seit acht Uhr putzen rund 250 Freiwillige Saubermänner- und Frauen, darunter rund 100 Taucher, die beiden Rheinufer im Abschnitt zwischen der Dreirosenbrücke und dem Kraftwerk Birsfelden. Die IG Ryybutzete, bestehend aus mehreren Basler Vereinen wie den Wasserfahrvereinen, der Tauchclubs sowie dem Kantonalen Fischerei-Verband Basel-Stadt, stellt in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt Material und Arbeitskräfte zur Verfügung. Trotz des zeitweiligen Regens, haben sich doch einige Interessierte an den Sammelpunkten wie der Schifflände, wo traditionell die meisten Velos aus dem Rhein gehievt werden, eingefunden und beobachten die Arbeiten und insbesondere die Waren in den verschiedenen Mulden mit Spannung.

Aussergewöhnliche Funde

Der Grossteil der Funde besteht aus relativ unspektakulärem Abfall, wie zahlreichen Getränkeflaschen, Holz- oder Metallgegenständen. Auch grössere Objekte, darunter Leitern oder Absperrgitter finden sich, nicht zu vergessen ein Zeitungsständer einer Gratiszeitung, welcher seinen Weg ins Wasser fand. Zusammen gibt das dann jedes Mal rund 8-10 Tonnen Abfall, mit Ausnahme des Rekordjahres 2003, in welchem dank tiefem Wasserstand ganze 25 Tonnen Material geborgen werden konnten. Ein grösserer Teil dieses Materials bildet bereits seit den Anfängen der Ryybutzete im Jahr 1987 der Baslers liebstes Fortbewegungsmittel: Das Velo. Besonders im Bereich der Mittleren Brücke gehen die Drahtesel gerne auf Tauchgang.

Jedes Mal tauchen - im wahrsten Sinne des Wortes - jedoch auch etwas weniger alltägliche Dinge auf. Bereits am frühen Morgen wurde heute ein vier Meter langer Stahlträger aus der Kleinbasler Rheinseite gehoben – was seltsam anmutet finden die Putzer aber nicht weiter der Rede wert. Der hat wohl den Seegang auf einem Frachtschiff nicht gut überstanden. In den vergangenen Jahren kam auch einmal ein Kupferkessel voller römischer Sesterzen zum Vorschein. In Anbetracht dessen, dass die Römer nun schon einige Jahre nicht mehr in unserer Region verweilen, ein durchaus merkwürdiger Fund. Das grösste Aufsehen verursachte jedoch eine Tauchergruppe flussaufwärts in Birsfelden. Die fanden doch tatsächlich einen Kleinwagen - wohl auch ein Frachtschiff-Ausreisser.

Vom Polizeirevier ab ins Historische Museum

Auch unsere lieben Ordnungshüter sind im tatkräftigen Einsatz an der Ryybutzete dabei. Sie sind nämlich dann gefragt, wenn potentielles Diebesgut oder gar Schusswaffen auftauchen. So mussten bereits Tresore inspiziert und zahlreiche Waffen gesichert und in Beschlag genommen werden. Nur Waffen, die garantiert nicht mehr als solche zu gebrauchen sind, können dann dem Historischen Museum weitergegeben werden. Dieses widmet sich in den kommenden Monaten ganz den besonderen Fundgegenständen. In der Ausstellung "Aufgetaucht - Basels geheimnisvolle Wasserfunde", werden zahlreiche Einzelstücke ausgestellt. Genannter römischer Kupferkessel ist ab dem 21. September genauso zu bestaunen, wie Pistolen oder wahrhaftig versunkene Schätze.

Nicht alle Jahre wieder

Die Putzaktion im Rhein findet nach Bedarf alle drei bis fünf Jahre statt, das letzte Mal 2013. Witterung und Wasserstand beeinflussen die Arbeit der Taucherinnen und Taucher dabei erheblich. In diesem Jahr haben sie mit einer starken Strömung zu kämpfen, die Sicht sei jedoch "für Schweizer Verhältnisse normal". Eine Rekordmenge, wie im Spitzenjahr 2003 dürfen wir wohl nicht erwarten, aber jedes noch so kleine Objekt, das von den zahlreichen Freiwilligen aus unserem schönen Rhein entfernt wird, trägt ein Stück dazu bei, dass wir auch in Zukunft schöne Spaziergänge an der Rheinpromenade der "schönsten Stadt der Welt" geniessen dürfen.

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