Das Lieblingsauto von Paul Berger: HighSpeed 375L 2+2 Coupé
Das Lieblingsauto von Paul Berger: HighSpeed 375L 2+2 Coupé
  • Binci Heeb

Schlag für Basel und Umgebung: Monteverdi-Automuseum schliesst

Aus für das Monteverdi-Museum in Binningen. Die Institution schliesst per 31. Dezember 2016, 22 der zahlreichen Exponate kommen ins Verkehrshaus in Luzern. Dafür wurde heute ein Buch vorgestellt: Über Peter Monteverdi, Autobaugenie, Konstrukteur und Pilot der Formel 1. Darin werden auch bislang verschwiegene Geheimnisse gelüftet.

Unsere Region wird um eine bedeutende Attraktion ärmer: Das Automuseum in Binningen wird Ende Dezember schliessen. Dies wurde anlässlich der Buchvorstellung von «Monteverdi – Geschichte einer Schweizer Automarke» heute bekannt. Mit der Erweiterung des ersten Bandes wird die unglaubliche Geschichte des verstorbenen, Autobaugenies, Konstrukteurs und Formel Eins-Fahrers Peter Monteverdi und seiner Hinterlassenschaft bis heute fortgesetzt – und für Überraschungen ist gesorgt.

Auf 212 Seiten und mit 400 Fotos werden im neuen Buch mit knallrotem Einband Fragen beantwortet, die immer wieder an Paul Berger gestellt wurden. Der 74-jährige war seit seinem 18. Geburtstag Lebenspartner des acht Jahre älteren Peter Monteverdi. Berger führt das Werk treu im Geiste des 1989 Verstorbenen weiter. «Irgendwann ist es Zeit, an die Zukunft zu denken», sagt er. Deshalb entschied sich der 74-Jährige jetzt für die Gründung einer Stiftung. Die «Peter Monteverdi Automobilbau» überlässt einen Teil der Sammlung dem Verkehrsmuseum Luzern. Zur grossen Freude von Paul Berger wird dazu ein eigenes, ganzes  Stockwerk im renommierten Haus am Vierwaldstättersee für die 22 Monteverdi-Fahrzeuge eingerichtet. So etwas gab es für eine Einzelmarke bisher noch nie.

Es war kein einfacher Entscheid, die Fahrzeuge wegzugeben, sagt Paul Berger. Und sein trauriger Blick spricht Bände: Seit nach fast einem Jahr Verhandlung feststehe, dass die kostbaren Edelfahrzeuge «Made in Switzerland» ins Verkehrshaus Luzern gehen werden, sei es ihm allerdings leichter ums Herz. Davor trug er sich noch mit dem Gedanken, das Museum in Binningen umzubauen. Aber da weder Gemeinde, noch Kanton finanzielle Unterstützung zusicherten, konnte Berger dieses Vorhaben nicht umsetzten.

Monteverdi Automuseum in Binningen. ©B. Zellweger

Die restlichen circa 30 Fahrzeuge gehen entweder an ein anderes Museum oder werden zum Teil verkauft. Daneben ist sogar leise die Rede vom Bau eines völlig neuen «Monteverdi»-Fahrzeugs. Ob Elektro, Hybrid oder Benziner, sei noch nicht klar. Doch «ein echter Monteverdi» muss es natürlich sein. Da Berger nicht unter Zeitdruck steht, lässt er sich für die bestmögliche Lösung Zeit. Auf der dicht gedrängten Agenda stehe zunächst ein grosser Auftritt am Automobilsalon in Genf im März 2017. Dort wolle man das 30-jährige Jubiläum des Monteverdi-Clubs und den 50. Geburtstag der Marke Monteverdi auf einem grossen Stand mit fünf oder sechs präsentierten Top-Autos gebührend feiern, so Berger.

Die Geschichte vom Binniger, der zum weltweiten Autogenie wurde

Mit gerade einmal 22 Jahren übernahm Peter Monteverdi von seinem verstorbenen Vater die kleine Werkstatt am noch heute bestehenden Standort an der Oberwilerstrasse 20 in Binningen. Den Beruf des Automechanikers lernte er auf Drängen des Vaters, die Aufgaben eines Lehrlings behagten ihm jedoch gar nicht. Bereits mit 16 Jahren baute der an Technik Interessierte nämlich sein erstes eigenes Auto. Im Alter von 18 Jahren war er fertig damit, das Auto wurde von der Motorfahrzeugkontrolle zugelassen und erhielt die Nummer BL 1616. Schon in jungen Jahren ein exzellenter Rennfahrer, bestritt Monteverdi über 90 Berg- und Rundrennen. Bis man 1957 bei Ferrari auf ihn aufmerksam wurde und er zum weltweit jüngsten Ferrari-Importeur emporstieg.

Peter Monteverdi anlässlich der Museums-Eröffnung 1985.

Peter und Paul: die Geschichte eines gemeinsamen Lebens

Die Familien Monteverdi und Berger waren gut befreundet. Mit 20 Jahren trat Paul Berger in die Monteverdi Autogarage ein. Bereits zwei Jahre zuvor wurden die beiden zu Lebensgefährten, was sie auch bis zum Tode von Monteverdi im Sommer 1998 blieben. Peter war ein exzentrischer Mann, der sich nur mit Menschen umgeben wollte, die ihn interessierten, erzählt Berger. Vor allem kreative Leute mochte er sehr gerne. «Anlässlich eines privaten Essens beim Scheich von Katar, einem guten Monteverdi-Kunden, wurde es ihm langweilig. Er stand auf, entschuldigte sich und ging. Das war Peter. 

Monteverdi: Vater des klassischen Range Rovers mit vier Türen

Neben etlichen Eigenkonstruktionen, zuletzt im Jahr 1982, zeichnete Monteverdi auch für den 4-türigen Range Rover verantwortlich. Er baute einen Prototyp, den die Engländer übernahmen und in England produzierten. Vom ersten Tag an war das Auto, das noch heute gebaut wird, ein riesiger Erfolg. Für jedes gebaute Auto gab es eine Lizenzgebühr. Doch das ist nur ein Kapitel im Leben des grossartigen Konstrukteurs. Er war der erste Schweizer Formel-1-Fahrer der Welt. Er baute trotz eines Unfalls, der ihn fas das Leben kostete, zwei eigene Teams der Königsklasse auf, belieferte Präsidenten und Könige auf der ganzen Welt mit seinen Autos aus der Werkstatt in Binningen. Darüber findet sich noch sehr viel mehr im neuen Monteverdi-Buch.

Dank des Monteverdi-Clubs sind alle Autos aus dem Museum in einem fahrbereiten Zustand. «Das gibt es sonst in keinem anderen Museum» sagt Berger. Die Mitglieder des Clubs würden alle Autos, bis und mit den Formel Eins-Boliden regelmässig fahren. Sein Lieblingsauto sei der High Speed 375L 2+2 Coupé. Den und ein paar andere werde er denn auch für sich behalten.

Am Samstag, 3. Dezember von 10 – 16 Uhr freier Eintritt für alle.

Das Buch «Monteverdi – Geschichte einer Schweizer Automarke» von Roger Gloor und Carl L. Wagner kann für Fr. 87.- per Mail bei: Monteverdi-Book@bluewin.ch oder im Buchhandel ISBN 978-3-033-05953-5 bestellt werden. 

Weitere Titelgeschichten unter News Basel.  

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