Keystone / barfi
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  • Kenneth Steiner
  • Aktualisiert am

Schnelle Mobilfunktechnologie 5G in Basel verboten?

Kennen Sie ihn auch, den schlechten Handy Empfang in der Basler Innenstadt? Die Nutzung des Mobilfunknetzes nimmt stark zu und das Datenvolumen verdoppelt sich beinahe jährlich. Nun drängt die Wirtschaft auf das schnelle 5G-Mobilfunknetz. Doch allgemein sind Vorbehalte gegen Mobilfunkantennen wegen möglicher Gesundheitsrisiken verbreitet.

Überall in Europa wird die schnelle Mobilfunktechnologie 5G vorangetrieben, nur in der Schweiz und somit auch in Basel stockt der Ausbau. Nach der Erweiterung soll man bis zu hundertmal schneller surfen können wie mit dem heutigen Netz. Der Ständerat lehnte vor einem Jahr eine Motion ab, die eine Lockerung der Strahlungsgrenzwerte vorsah. Dieser Entscheid liess die Sorgenfalten bei den Wirtschaftsvertretern grösser werden. Demnächst entscheidet der Ständerat erneut über diese Frage und gibt so der Forderung der Wirtschaft nach. Die Ärzte sind hingegen skeptisch.

Ärztinnen und Ärzte sagen Nein

Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz haben zu Erhöhung der Grenzwerte eine ganz klare Meinung und sehen keinen Grund, die Leistung des Mobilfunknetzes zu erhöhen: «Die in einer Motion geforderte Lockerung der NISV ist weder gesundheitlich bedenkenlos noch für den Ausbau des Mobilfunks und die Sicherstellung der Digitalisierung notwendig. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz und die Ärztinnen und Ärzte im Parlament empfehlen dem Parlament, die Motion erneut abzulehnen. Weiterhin gilt Mobilfunkstrahlung für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als möglicherweise krebserregend. Internationale Studien zeigen neben Hinweisen auf eine Rolle bei der Förderung von Krebserkrankungen eine Beeinflussung von Hirnströmen, Hirndurchblutung, Spermienqualität und eine Destabilisierung der Erbinformation».

Das Problem ist, dass bisherige Studien bislang nicht zweifelsfrei ein Krebsrisiko von Mobilfunkstrahlen nachweisen konnten. Dazu fehlen Studien zu Langzeitfolgen, da die Technologie noch keine 20 bis 25 Jahre in Betrieb ist. Nicht sehr aussagekräftig ist die Kategorisierung «möglicherweise krebserregend», es ist die schwächste Klassifizierungsstufe der WHO. Auf der Liste der Weltgesundheitsorganisation befindet sich beispielsweise auch eingelegtes Gemüse auf Risikostufe «möglicherweise krebserregend».

5G in Basel momentan nicht möglich

Christian Gasser, Verbandspräsident vom Schweizerischen Verband der Telekomanbieter wünscht sich natürlich eine Annahme der Motion durch den Ständerat. Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht, da «diese Technologie nicht nur schneller als die vorhergehenden ist, sondern da sie auch ganz neue Qualitäten hat, wie beispielsweise bessere und garantierte Verfügbarkeit, schnellere Reaktionszeiten und einen geringeren Energieverbrauch. Diese Eigenschaften sind für die Digitalisierung der Wirtschaft wichtig». Denn die 5G-Technologie, so argumentiert die Wirtschaftsseite, ermöglicht nicht nur ein besseres Handynetz, nein sie soll auch die Möglichkeit für ganz neue Geschäftsmodelle bieten. Diese reichen von selbstfahrenden Autos bis hin zu Fabriken, die über das Mobilfunknetz gesteuert werden könnten.

In Basel wäre eine Umsetzung der 5G-Technologie nur möglich, wenn die Grenzwerte erhöht würden. «Mit einer moderaten Korrektur der Grenzwerte wird die Möglichkeit geschaffen, dass die neuen Frequenzen für 5G auch in Basel an allen bestehenden Standorten verwendet werden können. Mit den heutigen Grenzwerten ist das nicht möglich. Es müssten in direkter Nachbarschaft zu den bestehenden Anlagen zusätzliche neue Sendeanlagen gebaut werden. Dies ist in der Praxis nicht machbar und damit sinkt die Versorgungsqualität und 5G kann nur teilweise realisiert werden», erklärt Christian Gasser.

Mehr Antennen, weniger Belastung

Ein Experte auf dem Gebiet der Mobilfunkstrahlung ist der Umweltepidemiologe Professor Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel. Er hat in einer Studie herausgefunden, dass der Grossteil der Strahlung von den Endgeräten also den Handys selbst stammt und nur ein kleiner Anteil von den Mobilfunkantennen. «Die Mobilfunkantennen tragen nur ein geringer Teil zu Gesamtbelastung der Bevölkerung bei, rund 90 bis 95 Prozent der Strahlung gehen vom Handy aus». Wie hoch die Mehrbelastung der Strahlung nach der Grenzwerterhöhung sein könnte, ist Momentan nur sehr schwer vorherzusehen.

«Im Vergleich mit der Strahlung die vom Smartphone ausgeht, wird die Steigerung nur gering sein. Mit einer Erhöhung der Grenzwerte wird aber auf jeden Fall die Sicherheitsmarge reduziert werden», so Röösli weiter. Die grosse Gefahr der Strahlenbelastung geht laut dem Umweltepidemiologen also nicht von den Mobilfunkantennen aus, sondern von den Mobilfunkgeräten und derer Netzkonfiguration.

Spannend ist auch die Aussage Rööslis, «dass die Strahlung eines Handys von der Verbindungsqualität abhängt. Bei guter Verbindung vermeidet man die hohe lokale Bestrahlung am Körper. Ein Smartphone mit einer guten Verbindung hat einen 100'000 Mal geringere Strahlenbelastung als ein Smartphone mit einer schlechten Verbindung». Das heisst also, dass ein dichteres Antennennetz bezüglich Gesamtbelastung vorteilhafter sein könnte, denn dann braucht das Handy weniger Funkleistung.

So oder so: Im Moment ist am Rheinknie langsames Surfen angesagt, auch wenn die 5 G-Technologie in aller Munde ist. Und damit bleibt den Baslern auch das Funkloch in der Innenstadt erhalten.

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