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Französisch hat es an Deutschschweizer Gymnasien nicht leicht

Immer weniger Studierende und möglicherweise künftig ein Mangel an genügend qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern: Französisch hat an Deutschschweizer Gymnasien keinen einfachen Stand.

Im Fokus der Diskussion für und wider das Fach Französisch an Deutschschweizer Schulen steht zwar der Unterricht an den Primarschulen. Aber nicht nur Primarschulen, sondern auch Gymnasien haben heute teilweise Schwierigkeiten bei der Suche nach Französischlehrerinnen und -lehrern.

Das bestätigt Marc König, Präsident der Konferenz Schweizerischer Gymnasialrektorinnen und -rektoren und Rektor der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen. "Ursache ist wohl, dass Französisch als Studienfach weniger gewählt wird", sagt er der Nachrichtenagentur sda.

Weniger Studierende

Ein Zahlenbeispiel: An der Universität Zürich studieren heute 179 Frauen und Männer Französisch im Hauptfach, 20 Prozent weniger als 2010. Die Zahl der Nebenfach-Studierenden ging noch stärker zurück. 2019 wird deshalb einer von zwei Lehrstühlen für moderne Literatur vorläufig nicht mehr besetzt, wie die NZZ kürzlich berichtete.

Die Universität begründet dies mit "anderen prioritären Vorhaben innerhalb der Philosophischen Fakultät I", wie Uni-Sprecher Beat Müller es ausdrückt. Das Betreuungsverhältnis sei bei den Französisch-Studierenden aber nach wie vor gut. Eine schlüssige Erklärung für das schwindende Interesse habe die Universität nicht.

Nicht förderlich für das Fach

Christophe Zimmerli, Präsident des Vereins der Französischlehrer (ASPF), hat zwar keine Kenntnis von konkreten Problemen, Französischlehrkräfte zu finden. "Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die ständige Diskussion über Sinn oder Unsinn des Franz-Unterrichts nicht gerade förderlich ist für das Fach", sagt er.

Französisch sei in der Deutschschweiz eher negativ geprägt, gelte als uncool, schwierig und selektiv. Doch das Gegenteil sei auch wahr: Romands lernten viel lieber Englisch als Deutsch, aus ähnlichen Gründen, stellt der Westschweizer Zimmerli fest. "Die Schule war und ist eben ein Spiegel der Gesellschaft."

Mit Muttersprachlern an Deutschschweizer Schulen Freude an der Landessprache zu wecken, wäre in den Augen von Zimmerli einen Versuch wert. Einen Einwand schiebt er gleich nach: Auch Englisch werde selten von Native Speakers unterrichtet und sei doch viel beliebter.

Rektor König plädiert für Sprachaufenthalte als Lösung des Problems. "Ein Sprachaufenthalt ist viel mehr als Sprachunterricht. Er ist eine Lebensschule, die die Einstellung zu einer Sprache und vor allem zu den Menschen dieser Sprache prägt." Dieses positive Spracherlebnis habe der Französischunterricht nötig.

Austausch St.Gallen - Sitten

Zum Beispiel die Kantonsschule am Burggraben pflegt seit sechs Jahren den Austausch mit dem Lycée-Collège des Creusets in Sitten. "Eins-zu-eins tauschen 16-jährige Schülerinnen und Schüler im zweiten Schuljahr ihre Familie", führt König aus.

Danach kehren sie an ihre Heimschule zurück und legen dort die Matura ab. "An unserer Schule sind fast in jeder zweiten Klasse während eines ganzen Jahres Westschweizer im Unterricht." Davon profitierten auch die übrigen Schüler.

Vom neuen Schuljahr an sind zudem am Ende des ersten der vier Gymnasialjahre mindestens zwei Wochen Aufenthalt im französischen Sprachgebiet Pflicht - zum Beispiel an einer Sprachschule oder in einem Sportlager. Werde das Fach Französisch attraktiver, werde es auch der Beruf des Französischlehrers, sagt König dazu.

Dem Französischunterricht fehle der Sinn, konstatiert Zimmerli. Es gehe nicht nur um nationalen Zusammenhalt oder Kompetenzen für das Erlernen von weiteren Fremdsprachen: "Es sollte erklärt werden, dass die Schweiz nicht die politisch stabile, wirtschaftlich erfolgreiche und bildungsmässig vorbildliche Schweiz wäre ohne diese Mischung der Kulturen, Standpunkte und Bräuche."

Zimmerli sieht allerdings auch andere Gründe für den Lehrermangel: Wie an den Volksschulen arbeiteten auch an Gymnasien immer weniger Lehrer Vollzeit, und derzeit werde beispielsweise in Bern eine ganze Lehrer-Generation pensioniert. Um alle diese Pensen abzudecken, müssten also mehr Lehrerinnen und Lehrer gefunden werden.